EU - Bad Saulgau

Birgit und Philipp sind 2003 und 2004 mit den Rädern unterwegs gewesen:

2003 von Euskirchen zu Andi nach Bad Saulgau:
Euskirchen-Bonn, Rhein runter bis hinter Worms, über die Berge des Schwarzwalds zur Donauquelle nach Villingen-Schwennigen, von dort Donau-abwärts bis Höhe Bad Saulgau und nach dort.

2004 die Donau von dort abwärts bis ca. Deggendorf, Isar aufwärts und dann von Bad Tölz zu Birgit und Horst nach Penzberg.

2003: Euskirchen - Bad Saulgau

1. Tag: Samstag, 30.08.03 

sonnig mit dicken Wolken, Rückenwind

Eigentlich wollten wir ja schon freitags starten, aber Kälte, Regen und Wetterbesserungsversprechen der Wetterdienste lassen uns unseren Aufbruch verschieben. Als es am Samstagmorgen noch eine dicke Schauer gibt, beschließen wir, uns bei Borchers zur Übernachtung anzusagen, um loszukommen und trotzdem in der ersten Nacht ein Dach über dem Kopf zu haben. Otto möchte uns begleiten und wir verabreden uns für 15.00 Uhr. Gegen Mittag wird das Wetter richtig schön, so dass wir eigentlich fahren könnten – aber wir sind ja jetzt verabredet.

Um zehn vor zwei geht’s los, über Palmersheim nach Rheinbach, dann den Wasserburgenweg bis Adendorf.

Zwischen Rheinbach und Wormersdorf müssen wir improvisieren, weil wir wohl eine Richtungsänderung verpasst haben, immerhin begegnen wir dadurch echter Hunnenmusik.

Otto begleitet uns bis Berkum und macht sich dann gegen den Wind auf den Heimweg. Wir rollen den Berg runter bis fast zum Rhein – erster kleiner Umweg. Im Hit kaufen wir Schwarz- und Knäckebrot und Schokoladenmitbringsel, Philipp bewacht die Räder.

Bei Borchers werden wir herzlich und neugierig empfangen, vor allem Felix interessiert sich für jedes einzelne Gepäckstück „was ist das? und das? und das?“

Nach einem Begrüßungscappuccino gibt’s schon bald Abendessen: gefüllte Zucchini, als Nachtisch Mascarpone- und Tiramisu-Eis. Dann müssen die Kinder ins Bett, wir quatschen noch mit Ute und Thomas, die von möglichem Hauskauf erzählen und gucken dann vom Schlafsofa aus noch Sportstudio und ein bisschen Boxen.

Start 14.50 / Ankunft 17.20 / 43 km / 19,82 km/h

 

2. Tag: 31. August 2003

mittelstark bewölkt, kleinere Schauern, Rückenwind

Nach einem leckeren Sonntagsfrühstück brechen wir auf – Borchers Rhein runter zum Zoo, Sinas Rhein rauf Richtung Koblenz.

Nach 20 km machen wir kurz hinter der Ahrmündung die erste Müsliriegelpause – drei müssen dran glauben. Nach 45 km haben wir dann richtig Hunger und beschließen, im Café Rheinblick bei Stromkilometer 604 etwas essen zu gehe, immerhin stehen hier tolle Fahrräder vor der Tür. Zu essen gibt’s für mich Pellkartoffel mit Heringen, für Philipp Russenei mit verdorbenem Kartoffelsalat . Nach einigem Hin und Her, sogar der Koch kommt aus der Küche, kriegen wir immerhin die Rechnung um 2,70 auf 13 Euro gekürzt.

Kurz nach dem Aufbruch fängts dann auch noch an zur regnen, wir stellen uns in einer Schutzhütte mit offenen Dachfenstern unter und spielen sogar noch etwas Rommé.

Die Schauer ist nur kurz und in Koblenz scheint schon wieder die Sonne. Jetzt fahren wir direkt am Rhein vorbei weiter. Eine zweite Schauer warten wir hinter Stolzenburg unter einem Baum ab. Beim Weiterfahren folgen die Sprints und einige Bergwertungen dicht aufeinander. Dass Philipp sie fast alle gewinnt, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden – im Tourbuch ist immerhin eine Bergwertung für mich verzeichnen.

Ab Boppard wird das Rheintal so eng, dass wir direkt an der B9 fahren. Jetzt wird’s langsam anstrengend. Dummerweise sind die Campingplätze nicht so dicht gesät, wie ich gehofft hatte. Eine Müsliriegelpause wird dringend nötig

Endlich erreichen wir St. Goar. Einen Campingplatz sehen wir auf der anderen Rheinseite direkt am Wasser, auf einen anderen weist ein Schild hin: Camping 1 km. Der eine Kilometer geht stetig bergauf, als wir es schon fast nicht mehr hoffen, kommen wir zum Camping Friedenau - ruhig, schmal, einfach, direkt am Bach - und bauen zum ersten Mal das Zelt auf.

Zum Abendessen gibt es Räucher-Reis mit Gemüse – wegen Regen im Zelt, den Nachtisch essen wir dann in der Kneipe beim Kartenspiel: Eis mit Früchten.

Ab: 9.30 An: 17.30 Etappe: 98 km, Schnitt 17,6 km/h, Gesamt-km: 140

 

3. Tag: 1. September 2003

locker bis stark bewölkt, Rückenwind

Zum Frühstück gibt’s Brötchen. Dann zahlen wir 11 Euro und knipsen noch die Burg. Im Edeka in St. Goar füllen wir unsere Getränkevorräte auf. Diesmal bewache ich die Fahrräder. Um 10.00 geht’s richtig los.

Immer am Rhein und oft an der B9 entlang. Philipp gewinnt Kuhlen-, Bank- und Blumentopfwertungen. Nach einer Stunden Müslipause bei Bacharach neben einem Tonfigurenstand. Um 12.15 haben wir die Nahe überquert und machen Mittagspause am Rhein, es gibt Gemüseschnitzel mit Pommes, Eis und Canasta.

Eine Stunde später geht’s weiter. Durch eine Abkürzung durchs Naturschutzgebiet haben wir den Weg verloren. Jetzt zieht es sich nach Mainz durch die Rheinauen:  Sand, Schotter, Deiche, „Gefahr durch fallende Äste“, Schrebergärten, Rheinwege und Goethestraßen.

Um halb vier erreichen wir Mainz. Hinterm Dom essen wir Rollkuchen und Zwetschgentorte und überlegen dann, auf dem nächsten Campingplatz in Laubersheim zu übernachten. Der Weg ist jetzt wieder besser fahrbar, schöner Schotter direkt am Rhein. Der Platz ist gut bewacht, nicht teuer, aber mit Vorkasse und platziert die Zelter so gut wie direkt neben die B9. Nach kurzem Überlegen holen wir unser Geld zurück und fahren weiter. Bis Nierheim kommen wir schnell, dann verpassen wir die Abzweigung und landen in einer Sackgasse: Gepäck abschnallen, Räder über die Leitplanke, B9 überqueren. Weiter geht’s durch Weinberge mit Selbstschussanlagen bis nach Nierheim. Wieder gibt’s zwei Campingplätze, einen sehen wir auf der anderen Rheinseite, er ist auf unseren Karten nicht eingezeichnet, der andere liegt zwei Kilometer südlich auf einer Art Halbinsel bei Oppenheim. Wir beschließen, zunächst dorthin zu fahren. Die Anmeldung und die zugehörige Kneipe sind geschlossen. Eine Dauercamperin zeigt uns die Zeltwiese und meint, der Platzwart würde wohl im Laufe des Abends kommen. Philipp wäre es lieber, er wäre schon da und überlegt, doch noch auf die andere Rheinseite überzusetzen, aber schließlich bauen wir doch unser Zelt auf, direkt am Rhein.

Alleine bleiben wir nicht, erst kommen zwei Neuseeländer und später noch zwei oder drei Leute aus Osteuropa (von denen einer morgens um fünf Richtung Mainz aufbricht, sehr seltsam).

Abendessen: Haribo, MaggiMeisterklasseKartoffelsuppe, Schwarzbrot mit Butter, Haribo

Nach dem Abendessen (es regnet mal wieder) bleibt Philipp direkt liegen und schläft, ich gehe noch am Rhein spazieren und telefoniere mit Rheder und mit Martin.

Tagesbilanz: 90 km - Schnitt: 15,65 - Gesamtkilometer: 234

4. Tag: 2. September 2003

leicht bewölkt, Rückenwind

Ich bin um 7 Uhr wach und gucke Schiffe, Philipp will nicht aufstehen. Auch Eichhörnchen und eine Taube, die über unserem Zelt brütet, locken ihn nicht nach draußen. Um halb neun geruht er, im Schlafsack zu frühstücken. Ich fange schon mal an, die Räder zu packen.

Zum Aufstehen kriege ich ihn kurze Zeit später: „Philipp, dein Vorderrad ist platt!“

Eine Runde flicken, um 10 geht’s endlich los. Nach 6 km hält Philipp an: „Mein Hinterrad ist platt!“

Ziemlich frustriert fahren wir auf Landstraßen weiter nach Worms, nur ein paar Zwischenspurts heben die Laune (Ich gewinne immerhin zwei Sprints und zwei Bergwertungen). Im plus kaufen wir Bananenbuttermilch, Rosinenschnecken, Giotto und Apfelschorle. Pause machen wir dann in einem Park direkt vor einem Minigolfplatz.  Wir telefonieren mit Liesel und merken, dass auf dem Minigolfplatz echte Profis am Werk sind. Jede Bahn ein Schlag. Philipp besteht darauf, die Bahn auszuprobieren, die aber erst ab zwei für Normalsterbliche geöffnet ist. Die Wartezeit nutzen wir, um in der Fußgängerzone eine Generalkarte und etwas Lesestoff für mich zu kaufen. Um zwei sind wir zurück und spielen eine Runde Minigolf auf der Bahn, auf der in der nächsten Woche die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden!

Um drei fahren wir weiter, nach Worms dann wieder am Rhein vorbei, es läuft ganz gut bis zur Ortsdurchfahrt Ludwigshafen. Wir landen mitten im Berufsverkehr und ich bin fürchterlich genervt. Philipp geht’s zum Glück wieder gut, er fand Worms schlimmer. Nachdem wir die Stadtmitte erreicht haben, ist die „Blaue Adria“ ausgeschildert – unser nächstes Ziel. Durch ausgedehnte ‚Gemeinschaftssiedlungen’ folgen wir den Zeltplatzschildern. Die Zeltsaison ist zwar zu Ende, wie wir hören, aber wir können trotzdem bleiben.

Essen allerdings gibt’s keins mehr, dafür müssen wir ins Weiße Rössel fahren. Das tun wir denn auch nach kurzem Duschen und essen Pommes, Salat Chef ohne Schinken und Kartoffelsuppe ohne Wiener, zu Trinken gibt’s große Cola und großes Radler.

Tagesbilanz: 2 Platte, 74 km + 4 zum Abendessen und zurück, Schnitt: 15,70; Gesamt 312 km.

 

5. Tag: 3. September 2003

locker bewölkt, warm

Morgens muss ich arbeiten, ein Anruf von Peter auf meinem Handy und ein Zeltaufbau, weil Philipp nicht aus dem Schlafsack kommt. Bei schönem Wetter starten wir Richtung Speyer. Zuerst auf Radwegen der Straße entlang, hier führe ich lange Zeit die Nussbaumwertung an! In Speyer kaufen wir in einem Minimal ein, danach flitzen wir weiter mit Rückenwind nach Germersheim.

Eigentlich soll es lange Zeit durch den Rheinauwald gehen – aber der Radweg nach Leimersheim ist gesperrt ist gesperrt und wir werden über die Dörfer umgeleitet.

Nach einer Mittagspause rollen wir Richtung Frankreich, staunen über einen Containerhafen, sehen die ersten Störche und überqueren fast ohne es zu merken die Grenze. En France nous prenons un coca.

Weiter gehts am Deich entlang bis zur Schleppfähre Eltz - Plittersdorf.

Wir überqueren den Rhein und haben es nicht mehr weit bis zum Campingplatz - diesmal ein richtiger: dem Rastatter Freizeitparadies (auch paradiesisch teuer), auf dem wir von einem richtigen Camper auch einen richtigen Gummihammer geliehen kriegen. Abends gibt’s Pizza im Platzrestaurant.

Tagesbilanz: 102 km, Tagesschnitt 18,21 Gesamtkilometer 415.

 

6. Tag: 4. September 2003

heiß

Können wir einen Minigolfplatz auf einem Campingplatz unausprobiert lassen? – Nein, natürlich nicht, auch wenn uns heute eine lange Tour bevorsteht. Leider ist die Bahn in schlechtem Zustand und kommt kann mit der Wormser Meisterschaftsbahn nicht konkurrieren. Um elf Uhr brechen wir auf. Die ersten Kilometer geht’s noch am Rhein entlang, an einem Wild und Straußengehege verlassen wir den Fluss und durchqueren im Zickzack die Ortenau.

Leider gibt hier der Photoapparatakku den Geist auf

Die Wege sind mittelprächtig und die Sonne knallt. Nach einer Mittagspause in einer Grillhütte müssen wir erst mal in einem Penny unsere Flüssigkeitsvorräte auffüllen. Parallel zur B3 fahren wir dann weiter bis Offenburg.

Hier gönnen wir uns erst mal jeder einen dicken Eisbecher. Danach machen wir uns auf ins Kinzigtal. Hier zeigt es sich, dass unsere Karten nicht auf dem neusten Stand sind. Zuerst mal ist das erfreulich, statt der stark befahrenen Bundesstraße können wir den neuen Kinzigtalweg nutzen, der rechts oder links über den Kinzigdeich führt. Wir kommen gut vorwärts, trotzdem ist es schon ziemlich spät, als wir in Wolfach ankommen. Der eingezeichnete Campingplatz liegt leider nicht wo er sein sollte.

Wir müssen weiter, Radweg und Straße, durch eine schönen Ort, aber auch der ist ohne Campingplatz, nur das Hinweisschild sehen wir wieder – allerdings ohne Entfernungsangabe. Langsam wird es dunkel. Wir beschließen, im nächsten Gasthof in Halbmeil zu übernachten, er sieht zwar gut aus, hat aber keine Übernachtungsmöglichkeit. Statt dessen können sie uns sagen, dass der Campinplatz einen halben Kilometer weiter im Hang liegt. Der dorthin ausgeschilderte Weg ist abenteuerlich, der Platz ganz neu mit Luxusduschen. Steckdosen gibt’s auch, an denen wir feststellen, dass wir das falsche Ladegerät mitgenommen haben. Folge: keine Photos vom nächsten Tag.

Als wir das Zelt aufgebaut haben, ist es fast zehn Uhr. Der Vollmond geht über den Schwarzwaldbergen auf, es ist sternenklar und fast eiskalt. Wir kochen Luxustortellinii und sind sehr zufrieden.

Tagesbilanz: 120 km, Schnitt 17,04 km/h, Gesamtstrecke: 535 km

 

7. Tag: 5. September 2003

kalter, sonniger Morgen, später schön warm

Um 10.21 Uhr kommen wir los – Frühaufsteher werden wir wohl nicht mehr.

Zunächst noch folgen wir dem Bach, immer noch auf neugebautem Radweg entlang der Kinzig. In Schiltach biegen wir ab nach Schramberg, dort kaufen wir Buttermilch und Teilchen. Dann geht’s 600 m rauf nach Hardt. Mit Rücksicht auf meinen roten Kopf machen wir ein paar kleine Päuschen während des Anstiegs.

Auf der Höhe stürmen wir erst einen Edeka-Laden, dann geht’s über Hügel weiter über Königsfeld nach Villingen-Schwennigen.

Ein Schotterradweg durchs Breisachtal gibt Philipps Reifen den Rest, in Donaueschingen flickt er am Busbahnhof. Wir nutzen die Nähe der Pommesbude, dann erreichen wir den Donauradweg.

In Höhe der Donauquelle ist der Reifen wieder platt. Frust. Wir beschließen, im nächsten Dorf (Phoren) eine Pension zu suchen – aber der Rote Ochse ist schon seit längerem geschlossen und private Zimmer werden auch nicht mehr vermietet, wie uns ein paar Frauen auf der Straße mitteilen. Eine von ihnen geht aber noch mal telefonieren und schickt uns dann zu einer Frau, die eigentlich nicht mehr vermietet ... und uns eine ganze Zimmerflucht zur Verfügung stellt – zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, ein Balkon und ein Riesenwohnzimmer mit FERNSEHER. Wir kochen Grießklößchensuppe auf dem Balkon, telefonieren mit den Transalpern und genießen anschließend die Glotze (Enterprise und witzige Werbefilme).

Tagesbilanz: keine Ahnung, wie viele Löcher im Reifen, 65 km, Schnitt: 14,06, Gesamt: 605 km

 

. Tag: 6. September 2003

schön

Nachts hat es den ersten Frost gegeben. Uns egal. Um viertel nach acht kriegen wir ein hervorragendes Frühstück serviert. Der Ehemann der Wirtin hat die Reifen geflickt – es waren wohl mehrere Löcher drin.

Mit 40 Euro +10 sind wir dabei, dann geht’s auf zur hoffentlich letzten Etappe.

Der Donauradweg ist sehr gut beschildert. Die Strecke führt erst durch Felder und Dörfer, die Donauversickerung ist wenig eindrucksvoll, dann kommen die mit einigen Steigungen und Gefällen. Kurz vor ....bricht mein Gepäckträger. Wir klauen uns ein Stück Draht aus einem Weidezaun und machen nach der Reparatur gerade noch eine kleine Pause, als unser Empfangskommando angerollt kommt: Martin, Andi und Jörg. Jetzt hat Philipp würdige Sprintgegner und wir wieder einen Photoapparat.

Nach 117 km und insgesamt 722 gefahrenen km erreichen wir am späten Nachmittag BAD SAULGAU.

 

Es war ein sehr schöner Urlaub!