Transalp 2003

Sterzing - Rovereto

Vom 26.9. bis 5.9.2003 sind Bruder Jörg, Schwager Andreas Werner und ich mit den Mountainbikes wieder über die Alpen gefahren, diesmal von Sterzing nach Rovereto (der geplante Gardasee war an unserem Ankunftstermin wegen des G7-Gpfels für uns unatraktiv geworden...)

 

Statistik der ganzen Tour

Tag -1: Anreise

Tag 0: Sterzing - Brennergrenzkammstraße - Sterzing

Tag 1: Sterzing - Pfunderer Joch - Weitental

Tag 2: Weitental - Rodenecker Alm - S. Vigil - Pederü-Hütte

Tag 3: Pederü-Hütte - Limo-Joch - Fanes - S. Kassian - Pralongia-Hütte

Tag 4: Pralongia-Hütte - Alleghe

Tag 5: Alleghe - Passo di Valles - Val Venegia - S. Martino

Tag 6: S. Martino - Passo Cinque Croci - Roncegno (Brenta)

Tag 7: Roncegno - Kaiserjägerweg - Folgaria

Tag 8: Folgaria - Rifugio Lancia (Pasubio)

Tag 9: Rifugio Lancia - Rovereto

Tag +: Donauradweg

Gesamtstatistik TA 2003

 

Tag 0-9

Tag 1-9

Fahrtage (1,2,3,5,6,7,8)

Strecke

456,41 km

412,28 km

355,89 km

Durchschnitt km

45,6 km

45,8 km

50,8 km

Fahrzeit

36:52

33:52 h

31:33 h

Durchschnitt Fahrzeit /Tag

3:40 h

3:45 h

4:30 h

Zeit unterwegs

64:02 h

59:34 h

56:45 h

Durchschnitt unterwegs /Tag

6:24 h

6:40 h

7:56 h

Höhenmeter

13829 m

12627 m

12473 m

Durchschnitt Höhenmeter

1383 m

1403 m

1781 m

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,4 km/h

12,2 km/h

11,3 km/h

größte Höhe

2568 m

2568 m

2568 m

Höchstgeschwindigkeit

71,6 km/h

71,6 km/h

71,6 km/h

Tag -1: Anreise
(Dienstag, 26.08.)

Am frühen Nachmittag starten Jörg und ich in Euskirchen in Jörgs neuem Opel Zafira, die Räder im Auto verstaut, das Navigationssystem eingeschaltet. Nach genau 4:30 Stunden kommen wir bei Andi an. Es gibt den traditionellen Nudelsalat und zum Glück diesmal Mekatzer Goldbräu (oder so ähnlich) und kein Radler. Zu dritt ist die Nudelsalatportion auch spielend zu schaffen!
Jörg und ich schlafen schlecht – Aufregung?!

Tag 0: Sterzing – Brennergrenzkammstraße – Sterzing
(Mittwoch, 27.08.)

Strecke

44,13 km

Höhenmeter

1200 m

Gesamtkilometerstand

44,13 km

größte Höhe

2166 m

Fahrzeit

3:00

Höchstgeschwindigkeit

63 km/h

Zeit unterwegs

4:28

Durchschnittsgeschwindigkeit

14,6 km/h

Temperatur

15-29 °C

Wetter

Sonne

Um 7 Uhr frühstücken wir mit leckeren Brötchen vom neuen Bäcker, 9 Uhr sitzen wir im Auto, mit drei Rädern im Innenraum. Wir fahren über den Arlbergpass und den Brenner nach Sterzing, kommen dort um 13:45 Uhr an.
Allerdings fällt Andi ungefähr nach einer Fahrtstunde auf, dass er seine Radelschuhe zu Hause neben der Haustür ordentlich im Regal stehen hat. Zurückfahren? – Ne, meint Andi, dann fahre ich eben mit den Schuhen, die ich anhabe, ich habe ja zum Glück die Pedale mit Klick und Bärentatzen montiert. Da sind Jörg und ich gegen – vor allem, als wir beim obligatorischen Tankstopp (Jörg tankt in Deutschland kostenlos innerhalb seines Leasing-Vertrages) sehen, was Andi für Schuhe anhat: ein Paar leichte blaue Leinenschuhe mit windelweicher Sohle.
Also wird in Brenner-Ort einer der Fahrradläden angesteuert und Andi kauft sich dort ein Paar schicke MTB-Raceschuhe.
In Sterzing ist es schrecklich heiß, das Fremdenverkehrsbüro hat zu, die automatische Zimmervermittlung, die wir nach einer Stunde finden, funktioniert nicht, wir fahren wie letztes Jahr wieder zum Haus Kofler, bekommen dort ein Dreibettzimmer, machen unsere Räder startklar und begeben uns bei traumhaftem Wetter auf eine kleine Testtour zur Brennergrenzkammstraße.
Was wir noch nicht wissen ist, dass dieser Tag als „Martin hat die beste Ausrüstung und für alles vorgesorgt!“-Tag in die TransAlp-Annalen eingehen wird. Aber der Reihe nach: Nachdem ich Wegsuch- und  Orientierungsproblem (die ich den anderen beiden nicht erzähle) erfolgreich bewältigt habe kämpfen wir uns eine supersteile Wiese hoch um dann zunächst auf Asphalt, später auf Schotter immer weiter nach oben zu schrauben. Traumhafte Blicke über das Eisacktal mit Brennerstraße, Autobahn und Bahnlinie machen richtig Laune auf morgen.
Allerdings dauert die Auffahrt deutlich länger als veranschlagt, mit dem späten Start kommen wir nicht ganz bis zur Grenzkammstarße an ein altes Fort, ich bin als erster dort und fahre noch zur „Straße“ und zum Sandjoch um dort einen letzten Fuß nach Österreich zu setzten. Wir beschließen, auf gleichem Weg abzufahren, zunächst geht alles wunderbar, bis ich mit einem lauten Zischen schlagartig die Kontrolle über mein Hinterrad verliere.
Beim Hinsehen stellt sich heraus, dass das Ventil (am neuen Schlauch) durchgerissen ist! Hinsetzten, flicken, aufpumpen, weiterfahren – nach kurzer Zeit das vertraute Geräusch: rhythmisches Zischen – Loch im Ersatzschlauch. Alles wieder auspacken, flicken, nur um festzustellen, dass der Schlauch völlig porös ist und überhaupt keine Luft hält! Jörg ist schon weg, Andi hat keinen Ersatzschlauch dabei, also fährt Andi hinter Jörg her während ich schiebe. Nach 100 Hm abwärts kommen Andi und Jörg wieder in Sicht, dummerweise hat Jörg nur noch einen AV-Schlauch, ich aber kleine Ventillöcher! Also werden Schläuche hin- und her getauscht bis jeder wieder Luft im Reifen hat.
So sind wir erst um 8 zurück in Sterzing, duschen, zu Fuß in die Stadt, in der Wunschlokalität hat die Küche schon zu, wir essen Pizza, Lasagne und trinken (natürlich) Bier.

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Tag 1: Sterzing – Pfunderer Joch – Weitental (Donnerstag, 28.08.)

Strecke

47,85 km

Höhenmeter

1661 m

Gesamtkilometerstand

91,98 km

größte Höhe

2568 m (Hmax)

Fahrzeit

4:29

Höchstgeschwindigkeit

71,6 km/h (Vmax)

Zeit unterwegs

8:04

Durchschnittsgeschwindigkeit

10,6 km/h

Temperatur

15-35 °C

Wetter

sehr schön, abends Regen



Uns gelingt ein früher Start (8.45 Uhr), das Auto steht an vertrauenswürdiger Stelle im Wohngebiet gegenüber von Haus Kofler.
Auf Straße, dann steiler werdenden Sträßchen und einem schönen Wald- und Wiesentrail geht es bis zum Stausee und weiter nach Fußendraß. Während Jörg noch ein paar €uro verdient und dienstliche Gespräche führt, die Mailbox bespricht etc. sammeln Andi und ich 50 Extra-Höhenmeter und fahren zum Einkaufen nach Kematen. Dann beginnt die lange Auffahrt zum Pfundererjoch: 1200 Hm auf 9 km Strecke, also komplett 1. Gang oder Schieben.
Bis 2000 m sind Andi und ich noch konditionsstarke Taktierer, dann schieben wir bei nun konstanter Steigung von über 14% auf schlechter werdendem Weg noch 100 Hm bis zur Mittagspause.
Die nächsten 150 Hm sind teils fahrbar, nach einer abenteuerlichen Bachüberquerung (Brücke aus zwei dicken Knüppeln, über die Gesteinsplattengelegt sind) schieben wir ab 2250 m bis zur Passhöhe auf 2568 m (!).
Ich habe Luft-Probleme oben, warte nur, bis Andi und Jörg auch ankommen und fahre dann in Regenjacke gehüllt nach Asthma-Spray ab, während Jörg und Andi noch ein Gipfelphoto machen.
Die Abfahrt ist erste Sahne: erst tiefer Sand und extrem steil, dann ein schönes Stück mit verwinkeltem Trail durch Felsen und über Hochalmwiesen mit Pferden. Es folgt ein langes Steilstück mit grobem bis sehr grobem Schotter, in dem wir alle drei auch einmal unsanft absteigen: ich rutsche etwas über Felsen (Abschürfungen und Steißbein-Prellung), Andi macht die zweifache Seitrolle ins Heidekraut und verletzt sich durch’s Fahrrad am Schienbein, Jörg haut’s Knie in den Fels (wobei letzterer sich als härter erweist, was Jörg aber nicht davon abhält, dies an verschiedene Stellen der Dolomiten weiter zu überprüfen, vielleicht hätte er doch Naturwissenschaftler werden sollen!). Bis zur Weitenbergalm weiterhin sehr grober Schotter mit vielen Stufen und schwierigen Spitzkehren, ich überhole ganze Gruppen von MTBlern – goiel!
Nach kurzer Einkehr fahren wir weiter nach Weitental auf einer sehr steilen Asphaltstraße, werden dabei beinahe von einem beraufradelndem Radfahrer umgefahren, der in einer Serpentine plötzlich die Seite wechselt.
In Weitental finden wir eine sehr nette Pension: Ü 20 €, ÜF 25€ mit Abendessen muss ich mal fragen, ob das noch geht – o.k. 30 €! Und das 5€-Abendessen ist klasse:
Penne mit roter Soße
gemischter Salat
Rindersteaks mit Kartoffeln
Apfelstrudel
alles sehr lecker und reichlich.
Dann gucken wir noch Colombo und schlafen mittelmäßig in zu weichen Hängebauchbetten unter zu warmen Plumeaus.

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Tag 2: Weitental – Rodenecker Alm – St. Vigil – Pederü-Hütte
(Freitag, 29.08.)

Strecke

65,69 km

Höhenmeter

2003 m

Gesamtkilometerstand

157,67 km

größte Höhe

1954 m

Fahrzeit

4:55

Höchstgeschwindigkeit

70,6 km/h

Zeit unterwegs

8:15

Durchschnittsgeschwindigkeit

13,3 km/h

Temperatur

12-21 °C

Wetter

regnerisch, Gewitter



NG – ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG – A
ANDI WERNER HAT DIE HEUTIGE ETAPPE OHNE VERWENDUNG SEINES ERSTEN GANGES BEWÄLTIGT
ACHTUNG – ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG– ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG– ACHTUNG

Und wieder starten wir nach ausgiebigem Frühstück früh: um 8.30 Uhr sitzen wir in kompletter Regenmontur auf den Rädern, rollen zügig ins Pustertal, Radweg an der Rienz – bis dieser verschüttet und gesperrt ist. Der neue ist noch nicht fertig, also Bundesstraße bis Mühlbach. Von dort 900 Hm mit nur wenig Regen bis zum Ende der Asphaltstraße, dann hört’s auf, weniger zu regnen, wieder in Regenklamotten geht’s bis zur Ronerhütte, der letzte Kilometer schon auf der Höhe wird zu einem Wettrennen untereinander und gegen ein näherkommendes Gewitter. Wir warten fast eine Stunde, Besserung ist aber nicht zu merken, nur das Gewitter ist weitergezogen. Also wieder in die nassen Regenklamotten und weiter über die Rodenecker Alm.
Die Abfahrt nach Montan ist zunächst sehr schön, wenn Jörg sich auch fragt, warum er dafür in die Alpen fahren muss: „Wie Steinbachwald, aber original!“, dann folgt eine effektive, aber sinnlose Höhenmetervernichtung auf Asphalt. Schön: durch Wolken fahren, weniger schön: als ich unten bin warte ich und warte und nichts pasiert – vor meinem innneren Auge laufen sehr unschöne Filme von nassen Kurven, schlechter Sicht, rutschigen Brücken ab, so dass ich den steilen Anstieg nochmal in Angriff nehme und Andi und Jörg entgegenfahre, es ist aber nichts passiert.
Bis S. Vigil folgt jetzt Straße am Gaderbach entlang, der sich das Tal von den Menschen so effektiv zurückerobert, so dass diese die Straße in Tunnels in den Berg verlegen müssen.
In S. Vigil ist Jörg ziemlich müde und fertig, ich hole Geld und versuche Schwarzwurst zu kaufen, es gibt leider nur noch eine ganz kleine.
Mit den leckeren Barilla-Plätzchen und Eistee muntern wir Jörg ein bisschen, mit der Aussicht, heute keinen echten Berg mehr zu fahren sehr viel mehr auf.
Die Straße zur Pederü-Hütte rollt sehr gut, das Tal hat im letzten Winter offensichtlich mächtig Federn gelassen. Es wird wieder nasser und die Wolken hängen sehr tief, so das wir uns früh entscheiden, nicht zur Fanes-Hütte aufzufahren. An der Pederü-Hütte überzeugen wir noch die beiden Pärchen, die wir gestern schon auf der Abfahrt vom Pfunderer Joch getroffen haben, nicht mehr aufzufahren (alpine Sicherheit, Minderheitenschutz,...).
Die Perdü-Hütte ist etwas teurer, dafür sind die Portionen kleiner und die Bedienung unfreundlicher. Wir schlafen aus Kostengründen auf’m Lager, es gibt keinerlei Trockenmöglichkeiten, die fünf Betten auf 7,5 qm in einem Zimmer mit extremer Dachschräge sind so eingebaut, dass auf einem Bett nur ein Gnom oder Beinamputierter schlafen kann, später stellen wir fest, dass das Fenster zwar keine Zwangsbelüftung, dafür aber eine Zwangsbefeuchtung hat, das soll ja gut bei Asthma sein...

Dialog beim Abendessen (Lustspiel)

    Martin: Die Spaghetti-Portion: ist die richtig groß?

    Bedienung (leicht entrüstet): Also ich bekomme sie nicht auf.

    Martin (denkt) das hört sich ja eigentlich gut an, wenn die Frau auch nicht nach einer großen Esserin aussieht! (sagt): gut, einmal die Spaghetti Bolognese.

    Bedienung (bringt Essen. 87 Sekunden später): und, war’s reichlich?

    Martin (sprachlos!!!): ???

    Martin: gibt’s denn noch Nachschlag?

    Bedienung: Wenn sie noch Hunger haben: wir haben noch Kuchen...

Ich esse tatsächlich noch grollend Linzer Torte und wir versuchen die fehlende Karte von den Münchenern zu photographieren. In der Nacht haben Jörg und ich massive Einschlafprobleme, da es aus dem Fenster über Andis Bett ungleichmäßig aber stetig in ein von Andi darunter gestelltes Gefäß tropft.

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Tag 3: Pederü – Fanes – St. Kassian – Pralongia
(Samstag, 30.08.)

Strecke

28,45 km

Höhenmeter

1367 m

Gesamtkilometerstand

186,12 km

größte Höhe

2147 m

Fahrzeit

3:41

Höchstgeschwindigkeit

? km/h

Zeit unterwegs

7:17

Durchschnittsgeschwindigkeit

7,7 km/h

Temperatur

7-31 °C

Wetter

sonnig und schön



Nach feuchter Nacht stehen die sieben Radler um 7.30 Uhr vor verschlossener Speiseraumtür, die abgesprochene Frühstückszeit ist nicht bis zu den für’s Frühstück zuständigen Menschen durchgedrungen. Langsam kehren wir unsere Sauerkeit auch verbal nach außen, bekommen dann Frühstück und rächen uns nach Radfahrerart: wir essen einfach alles auf, was das Buffet hergibt.
Um ½ 9 starten wir gemeinsam mit den vier Münchenern, die unseren Weg seit gestern immer wieder kreuzen, zur Faneshütte. Die Auffahrt ist traumhaft: zügig geht’s steil aus dem Nebel und über ihn hinaus. Es rollt gut, Andi hat eine reine Fahrzeit von 0:47 vorzuweisen, ich schaffe 0:56, Jörg, der unterwegs bei traumhaften Ausblicken seinen Dokumentator-Pflichten nachkommen muss, ist nach 1:15 oben (die Münchener haben wir auf jeden Fall abgehängt).
Langes Sitzen vor der Hütte, ich will weiter, kann mich aber nicht durchsetzen, wir sind also trotz gutem Start erst nach 2 Stunden am Limo-Joch.
Die Fanes-Alpe ist mindestens so schön wie die Abfahrt nach Cortina im letzten Jahr, der Weg ist überwiegend fahrbar, Jörg wird übermütig und fängt sich einen Snakebite ein.
Vom Rast- und Ausichtsplatz Col Locia geht es erst tragenderweise, dann schiebend 100 Hm sehr steil bergab (-32%), es folgt ein Trail durch Wald mit Felsen und Schotter (-17%), der aber überwiegend genussvoll zu fahren ist, zumindest für mich ;-).
Ab der Scotini-Hütte versuchen wir statt Straße Schotter zu fahren, geben aber nach kurzer Zeit auf und müssen das Steilufer zum Gader-Bach runterklettern durch den Bach, der zum Glück nur wenig Wasser führt, so dass wir ihn fahrend (!) durchqueren.
Die Einkaufsversuche in S. Kassian bleiben wegen Mittagspause erfolglos, also gehen wir notgedrungen eine Pizza essen (preiswert, groß und lecker!).
Nach dem Essen wollen wir unseren Spezialweg auf die Pralongia nehmen, den wir letztes Jahr heruntergekommen sind, um die Schiebepassage von Stanciu zu umgehen. Das gelingt sehr gründlich: der ausgeguckte Weg ist vollständig unfahrbar (wegen viel zu steil: bis 35% Steigung!). So kommen wir auf den schlechtesten Schnitt „aller Zeiten“.
Jörg will unbedingt auf der Hütte übernachten, so verwerfen wir die reizvolle Idee, nach Alleghe abzufahren dort zwei Tage „Hotel Central“ und morgen eine Tour ohne Rucksack zu genießen und bleiben auf 2100 m Höhe in der Pralongia-Hütte. Diese bietet uns HP für 47 €, ist in Wirklichkeit keine Hütte, sondern ein Hotel auf großer Höhe. Entsprechend ist auch der Komfort: eigenes Bad am Zimmer, vier Gänge Menu am Abend, morgens leckerer Kuchen und sehr freundliche Bedienung. Wir genießen noch die Aussicht auf die umliegenden Bergstöcke, vor allem Sella und Marmolada, freuen uns auf morgen früh, wenn sie in morgendliches Licht getaucht sind. Beim Menu werden wir von einem Frankfurter (?) Marathonläufer und Radfahrer und... unterhalten.

Menü:
Spaghetti
Salat
Backerbsensuppe
gegrilltes Rindfleisch mit Bratkartoffeln
Vanilleeis mit Obstsalat

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Tag 4: Pralongia – Alleghe
(Sonntag, 31.08.)

Strecke

30,61 km

Höhenmeter

154 m

Gesamtkilometerstand

216,73 km

größte Höhe

2120 m

Fahrzeit

1:15

Höchstgeschwindigkeit

km/h

Zeit unterwegs

2:34

Durchschnittsgeschwindigkeit

25 km/h

Temperatur

8-10 °C

Wetter

Sauwetter



Es gibt ein opulentes Sonntagsfrühstück mit leckeren Kuchen und Panettone, nur das Brot ist alt, aber schließlich sind wir ja auf einer Hütte.
Nachdem ich mich gestern über zu viele Pausen beschwert habe muss das heute natürlich besser werden. Vor der Abfahrt nach Cherz (kein Scherz!) müssen wir aber die erste Rampe hoch: 25 Hm zur kleinen Gipfel-Kapelle. Nach 56 Sekunden und 18 Hm verklemmt sich meine Kette so, dass wir den ersten technischen Halt einlegen müssen. Dann presche ich im Nebel auf supersteilem Schotter vor – und so verfahren wir uns gründlich in eine Sackgasse: Karte raus, orientieren, zurück. Endlich auf dem richtigen Weg macht nach ca. 200 Hm abwärts meine Vorderradbremse merkwürdig rhythmisch klackende Geräusche: die Bremsbeläge sind total runter – nächster Halt, neue Bremsbeläge einbauen, Bremse notdürftig justieren.
Mittlerweile haben uns alle anderen TransAlper überholt, ich jage Jörg und Andi hinterher, verpasse wegen zu großer Eile und nicht eingebremster Vorderradbremse eine Kurveneinfahrt bzw. den angemessen Bremspunkt und muss elegant wie
Lance über eine Wiese abkürzen (ich habe aber das hierfür deutlich tauglichere Fahrrad, hähä).
An der Einmündung auf die Pordoi-Straße fängt’s an zu schütten, wir trinken Espresso, versuchen Brot zu kaufen (was es erwartungsgemäß nicht gibt, Cherz gehört schließlich zur Gemeinde Arabba) (Worum hob’n die Arabba ko Brot? – Wois Kamel hob’n!). Nach einer Stunde Warten und dicksten Wolken über Bindelweg und Marmolada beschließen wir kurzerhand einen Ruhetag einzulegen und nach Alleghe (mit Betonung auf dem ersten Vokal, wie wir gestern gelernt haben) zu fahren um uns nach Möglichkeit im wohlbekannten Hotel Central einzumieten. Die Abfahrt durch den weiter strömenden Regen ist sogar unterhaltsam, irgendwann ist es egal, weil man sowieso nicht mehr nasser wird, zum Glück ist es nicht kalt.
Im Hotel Central ist zunächst kein Platz, dann wird extra für uns ein ganz neues Appartement freigemacht, in dem drei Betten stehen. Der Schock bei näherem Inspizieren ist zunächst groß: Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer, Badezimmer mit computergesteuertem Wirbelpool und Duschpalast – das ist mit Sicherheit superteuer! Ich wandere die vier Treppen noch mal runter um nach dem Preis zu fragen und das Zimmer dann abzusagen, aber der freundliche Manager schreibt mir eine 30 auf und erklärt mir, dass das dritte Bett 27 € koste. Großer Jubel bricht aus, wir verteilen unsere nassen Klamotten im ganzen Appartement, duschen (die Multifunktionsdusche tut’s, der Wirbelpool ist aber noch nicht angeschlossen), waschen. Der Platz reicht sogar zum vollständigen Auslegen der Route!
Mittlerweile ist es aufgeklart, bei Kaiserwetter wandern wir in den Ort, spazieren umher, hängen unsere Wäsche auf der Dachterrasse auf und freuen uns auf das Abendessen.
Dieses entspricht unseren Erwartungen, wir essen verschiedene Leckereien:
Salatbuffet
Pasta-Gang
Vitello Tonnato u.a.
Birne Helene

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Tag 5: Alleghe – S. Martino di Castrozza
(Montag, 01.09.)

Strecke

57,24 km

Höhenmeter

2313 m

Gesamtkilometerstand

273,97 km

größte Höhe

2174 m

Fahrzeit

4:57

Höchstgeschwindigkeit

67,9 km/h

Zeit unterwegs

8:15

Durchschnittsgeschwindigkeit

11,5 km/h

Temperatur

16-6 °C

Wetter

kalt, im Tagesverlauf
zunehmend regnerisch



Beim Frühstück setzt Andi seine Verdünnungsversuche vom letzten Jahr fort und erreicht schließlich sogar ein trinkbares (wenn auch noch nicht zufriedenstellendes) Ergebnis: ein Viertel Kakao mit Milch auffüllen.
Bei durchaus vielversprechendem Wetter starten wir in Alleghe, erst mal einrollen. Dies ist wörtlich zu verstehen, mit 40-50 km/h geht’s 100 Hm nach Vare (835 m) runter, dann sofort über kleine Seitensträßchen und eine kurzes Schiebestück durch den Wald (das einzige heute!) auf die Forcella di S. Tomaso (1367 m). Abfahrt nach Vallada (1130 m), Auffahrt zur Forcella di Lagazzon (1356 m), schnelle Abfahrt bis auf 1020 m Richtung Falcade. Es wird kälter, nur noch 10 °C, aber nun kommt der erste große Pass des Tages: weiter Asphalt zum Passo di Vallés (2031 m). Auf 1500 m machen wir Mittag, es fängt natürlich pünktlich an leicht zu regnen, so dass wir uns in das gegenüberliegende Café „Dolomiti“ zu Heißgetränken flüchten.
Im Nieselregen und leichtem Nebel schrauben wir uns auf Asphalt sehr gut fahrbar weiter in die Höhe (8-10%), auf dem Pass ziehen wir bei nur noch 7°C die Regenklamotten an, ich verzichte (großer Fehler!) auf die Überschuhe, Andi hat solche gar nicht dabei.
Es folgt eine rasende Abfahrt mit WoMo-Überholung im Regen bis zum Eingang des Val Venegia auf 1700 m. Dort wringt Andi erst mal seine Socken aus, nach kurzer Fahrt ziehen wir die Regenklamotten wieder aus und fahren durch das traumhaft schöne, aber leider total von Regenwolken verhangene Val Venegia.
Wie aus anderen TransAlp-Berichten zu entnehmen ist das schlechte Wetter aber zumindest dafür verantwortlich, dass wir im unteren Bereich überhaupt fahren können, selbst heute begegnen wir vielen Wanderern resp. Spaziergängern, ärgerlicherweise kann man sogar relativ weit in das Tal mit Autos reinfahren, was vor allem Besitzer von Pseudo-Geländewagen gerne tun.
Zunächst geht es an einem idyllischen Bach mit Kühen und Felstürmen vorbei, dann wird das Tal weiter und wilder, der geschotterte Weg schraubt sich vollständig fahrbar bis zum Passo di Costazza (2174 m) hinauf.
Oben angekommen packen wir uns fast maximal ein, egal, wie blöde es aussieht, nur die Beinlinge bleiben noch im Rucksack. 250 Hm zum Passo Rolle auf Schotter bergab, dann 500 Hm auf Asphalt nach S. Martino di Castrozza einem reinrassigen Wintersportort: „Im 19. Jh. als Fremdenverkehrsort entstanden, bewahrt der Ort bis auf den heutigen Tag das Flair einer eleganten und belebten alpinen Weltstadt.“ (Zitat)
Da wir mittlerweile total durchgefroren sind kehren wir ohne lange Diskussionen ins Hotel Margherita ein (Auswahlkriterium: Sternezahl möglichst gering). Erstmals geht Andi als erster wortlos unter die Dusche, verschwindet danach genauso unter seiner Bettdecke und wartet offensichtlich darauf, warm zu werden. Da es noch recht früh ist erlaube ich mir den Luxus, im wunderbaren 70er-Jahre Badezimmer zu baden. Dann kaufen Jörg und ich Eistee, Chips und Dosenbier zum Aperitiv. Das Dosenbier trinkt Andi nur unter Protesten.
Das Abendessen ist o.k., sehr vornehm mit Kellner und Bedienung, Stoffservietten, Vorlegen der Gerichte etc., das Kalbsschnitzel wirklich sehr lecker, es wird eines der lustigsten Essen ever: Wir bestellen wie üblich Bier, und als wir vom Salatbuffet zurückkommen stehen im mondänen Speisesaal drei Bierdosen auf dem Tisch!
Im ganzen Ort ist tote Hose, wir finden aber noch einen Pub, der geöffnet hat und in dem wir um halb zehn die letzten Gäste sind, als wir unsere Guinness bezahlen. Wir erfreuen uns trotzdem an der schönen Musik, überwiegend Oldies, essen Erdnüsse bzw. rauchen Pfeife.

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Tag 6: S. Martino di Costrozza – Roncegno
(Dienstag, 02.09.)

Strecke

76,19 km

Höhenmeter

1957 m (2916 m bergab!)

Gesamtkilometerstand

350,16 km

größte Höhe

2020 m (Hmin 350 m)

Fahrzeit

5:57

Höchstgeschwindigkeit

69,3 km/h

Zeit unterwegs

9:30

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,8 km/h

Temperatur

7-28 °C

Wetter

sonnig und schön



um Frühstück gibt es leckere Aprikosenhörnchen, dann kaufen wir Schläuche und Brot und kommen um kurz vor neun los (seit der Pleite vom ersten Tag bis heute sind wir ohne Ersatzschläuche unterwegs gewesen, nirgendwo konnten wir welche bekommen!).
Es geht durch schöne Fichtenwälder auf angenehm zu fahrender Schotterstraße bergan, bis wir irgendwann über der Baumgrenze sind und zur Malga Tognala (1988 m) kommen.
Nach leichten Problemen, den zwar gekennzeichneten, aber nicht ausgeschilderten Wanderweg zu finden führt uns nun ein Weg über die Hochalm fast 3,5 km und 450 Hm hinab auf dem wunderschönen Wanderweg 352: durch das malerische Tal zunächst unfahrbar, dann aber immer besser, ich juchze vor Freude, wenn ich wieder eine der vielen Schlüsselstellen (eigentlich ist der ganze Weg nur eine) geschafft habe. Nachdem Jörg an einer Steilstufe einen Überschlag gemacht hat (zum Glück mit weicher Landung in der Botanik) schiebt er lieber, Andi macht es halb und halb.
Ganz am Ende fahre ich übermütig zu schnell über eine Steinstufe, so dass mich auf der folgenden steilen Schotterabfahrt auf dem Sentiero della Pace am Rivo Tognola die Luft verlässt.
Caoria (850 m) sieht schon um einiges italienischer aus als alle bisherigen Orte, auf Asphalt fahren wir noch zum Rifugio Refavaie (1120 m) um nach der Mittagspause nicht mehr ganz so viele Höhenmeter vor uns zu haben.
Nach der Pause führt der Weg stetig 900 Hm auf Schotter mit ca. 8 % Steigung bergauf, wieder ein sehr schönes Tal an einem zum Fliegenfischen geeigneten Bach entlag, dann Lärchenwald, schließlich wieder eine Hochalm.
Die Kreuze auf dem Passo Cinque Croci (2018 m) sind enttäuschend klein, dafür folgt jetzt die längste Abfahrt unserer bisherigen Alpentouren: beinahe 1700 Hm am Stück! Ich fange mir den zweiten Snakebite des Tages an einer Wasserrinne ein, vielleicht hätten wir doch keine neuen Schläuche kaufen sollen!
Im Val Sugana sind wir endlich richtig in Italien, fahren noch an der Brenta entlang, was müde und hungrig viel anstrengender ist als gedacht. Jörg und ich giften uns entsprechend kräftig an auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Borgo. Das Fremdenverkehrsbüro befindet sich in einem traumhaften Palazzo, es gibt aber in ganz Borgo, einem wunderschönen kleinen Ort kein einziges Touristenbett! Also müssen wir weiter nach Roncegno, die letzten 100 Hm gehen mir völlig an die Substanz.
Hier finden wir einen frisch renovierten Gasthof mit schöner Ausstattung, Gewölbekeller-Bar und Restaurant. Geduscht und hungrig stehen wir unschlüssig vor dem edel aussehenden Restaurant, suchen nach einer Speisekarte. Der Chef des Hauses ermuntert uns es zu betreten, ich frage vorsichtig nach den Speisenmöglichkeiten und den Preisen – und Überraschung: er bietet uns für 15 € incl. Wein ein Abendessen an. Wir lassen uns von ihm am Tisch beraten, er macht uns zwei Pasta-Variationen, es gibt tolle Gemüse-Antipasti, dann gegrillten Fisch mit Bratkartoffeln und sogar noch einen Nachtisch, eine gestürzte weiße Crème mit Früchten. Statt dem Wein trinken wir superleckeres Tschechisches Bier, nach dem Essen noch eins in der Bar und gehen satt und zufrieden und wieder versöhnt ins Bett.

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Tag 7: Roncegno – Kaiserjägerweg – Folgaria
(Mittwoch, 03.09.)

Strecke

42,54 km

Höhenmeter

1431 m

Gesamtkilometerstand

392,70 km

größte Höhe

1363 m

Fahrzeit

3:29M

Höchstgeschwindigkeit

54 km/h

Zeit unterwegs

6:30

Durchschnittsgeschwindigkeit

10,6 km/h

Temperatur

12-23 °C

Wetter

morgens sonnig, dann
bewölkt und kühl

Obwohl wir die einzigen Gäste sind ist für uns ein tolles, wenn auch nur süßes Buffet aufgebaut, es gibt frische Aprikosenhörnchen und Knuspermüsli.
Beim Einkaufen im kleinen Laden gegenüber räumt Andi mit seinem Rucksack zuerst fünf Tafeln Rittersport aus dem Regal, beim Umdrehen muss beinahe noch ein zierliches Regal voller Nippes dran glauben – nur rückwärts kann er aus seiner Nische wieder ausparken.
Nach 10 km flach auf Radwegen an der Brenta liegt vor uns eine Felswand, bei der man sich kaum vorstellen kann, dass hier eine Straße hochführt! Es geht es aus dem Val Sugana auf 9 km mit 8% Steigung von 470 auf 1261 m Höhe hinauf. Tatsächlich gibt es nur zwei fahrbare Wege auf das große Lusener Hochplateau, einen 50 km weiter östlich und den von uns gewählten sog. Kaiserjägerweg. Es handelt sich wohl um eine der schönsten und imposantesten Passstraßen, teilweise sind die Tunnels nur 2 m breit und genauso hoch, entsprechend wenig Verkehr ist hier, der dafür aber umso mehr stört. Trotzdem eine uneingeschränkt empfehlenswerte Asphaltauffahrt.
Auf der Höhe geht es auf Schotter erst noch etwas hoch, dann nach Bertoldi, wo wir Mittagspause machen. So schön das Wetter im Val Sugana war, so kalt ist es hier oben, so dass wir zum Aufwärmen in ein Café einkehren, ich trinke den vielleicht besten Capuccino meines Lebens.
Da dieses Gebiet im ersten Weltkrieg heftig umkämpft war gibt es viele Schotterverbindungen zwischen den Forts der österreichischen bzw. italienischen Seite. Viele dieser Wege sind heute als MTB-Route „100 km dei forti“ ausgeschildert, und auf diesen fahren wir jetzt in stetigem steilem Auf- und Ab weiter: schöne Ausblicke, Felsen, Mauern, Fels-, Wald- und Wiesentrails.
Wenn nur Stanciu, die „dumm Sau“ nicht wäre:
Wegpunkt 332: 1,82 km mit 7%: selten so den 1. Gang gebraucht (22/34)!
Und dann um’s so richtig auf die Spitze zu treiben:
Wegpunkt 335: 1% Steigung auf 1,21 km: die ersten 600 m geht es mit über 10% abwärts um dann logischerweise entsprechend wieder raufzugehen!
Auf dem Passo Sommo beschließen Jörg und Andi, dass für heute genug ist. Dies ist eine hochgradig weise Entscheidung, da die nächste Übernachtungsmöglichkeit, wie sich morgen herausstellen wird, das Rifugio Lancia auf dem Pasubio ist, der Zielpunkt der morgigen Etappe und entsprechend 38 km und 1750 Hm entfernt!
Im nächsten größeren Ort Folgaria suchen wir also eine Unterkunft und finden sie im größten ***Hotel am Ort. Neben einer derangiert in ihren Angeln hängenden Balkontür und einer eindrücklichen Türklinke auf dem Zimmer gibt es eine (schmuddelige) Sauna, ein kleines Schwimmbad und im Garten einen Wirbelpool mit Blubberbläschen. Zur Attraktion der älteren Hotelbesucher, die mit Straßenschuhen und Zigarre im Mund durch die Einrichtungen laufen nutzen wir diese ausgiebig. Immerhin gibt es keine blöden Bemerkungen wegen unserer reichlich unvollständigen Bräune (oder wir haben diese nicht verstanden).
Der Speisesaal ist riesig, es sind außer uns scheinbar nur eine Jugend- und eine Seniorengruppe da, so dass alle Plätze belegt sind, ein sympathischer Münchener Radler sitzt an unserem Tisch und wir unterhalten uns gut, auch noch nach unserem Umzug in die Bar.

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Höhenprofil der Etappe

Tag 8: Folgaria –Rifugio Lancia (Pasubio)
(Donnerstag, 04.09.)

Strecke

37,91 km

Höhenmeter

1773 m

Gesamtkilometerstand

430,63 km

größte Höhe

1903 m

Fahrzeit

4:03

Höchstgeschwindigkeit

52,2 km/h

Zeit unterwegs

7:50

Durchschnittsgeschwindigkeit

9,5 km/h

Temperatur

10-31 °C

Wetter

schön und sonnig

Um 8 Uhr gibt es Frühstück – mit Wurst und Käse! Die Seniorengruppe treibt die Bedienung zum Wahnsinn, weil das Betätigen der Kaffee-Zapfkanne zu komplexe Anforderungen stellt: wenn man den Hahn öffnet kommt nämlich solange Kaffee raus, bis man diesen wieder schließt!
Dann finden wir unseren Weg nicht und fahren das erste Stück Straße. Beim Kartenlesen werde ich von fünf Bonner TransAlpern überholt, die den Weg kennen. Gemeinsam fahren wir ein Stück Richtung Bosso del Sommo. Auf 1550 m biegen wir nach rechts in den Wald ab, die Bonner fahren weiter geradeaus zum Fort und Monte Maggio (vgl. Beschreibung im TransAlp-Buch Tour 2, muss so ziemlich die absolute Mörderabfahrt sein!). Aber auch unser Trail hat es massiv in sich: 600 Hm werden auf 3,5 km verteilt, Steilstufen, grober und gröbster Schotter, teilweise extrem lose. Keine Verschnaufpause, wenn man durchfährt ist eine halbe Stunde höchste Konzentration und viel statische Haltekraft in Beinen und Unterarmen gefragt.
Jörg macht einen heftigen Abgang mit Schienbeinverletzungen und schiebt danach. Andi küsst in Zencheri den wieder festen Boden („...und ich werde doch Papst!“).
Wir fahren bis auf 650 m auf Asphalt weiter ab durch Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Ich werde von einem kleinen, aber lauten Hund beinahe aufgefressen, gebe noch ein bisschen mehr Gas. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, dass es mehr Hunde werden und sehe, dass ich Land gewinne. Andi und Jörg betrachten das Schauspiel aus sicherer Entfernung und warten, dass die Signora die etwa 15 Hunde mit Leckerchen wieder ins Haus lockt.
Es folgt ein 1300 Hm Anstieg auf Schotter zum Rifugio Lancia, der durchweg gut und angenehm fahrbar ist und desto höher wir kommen, desto schöner wird die Landschaft. Auf halber Strecke machen wir Mittag, da es keine Geschäfte gab werden Reste vernichtet, unter anderem ein seit S. Vigil mitgeschlepptes Schüttelbrot, was zu Krümeln geschüttelt ist. Zum Nachtisch noch Fitness-Riegel, dann weiter zur Malga Bisorte. Wir besichtigen das kleine Museum mit Bildern aus dem Stellungskrieg 1915/16 und schwatzen dem „Museumswärter“ eine große Flasche Orangenlimo ab.
Um 17.30 erreichen wir bei schönstem Wetter, nur im Schatten wird es etwas kühl, das Rifugio und beschließen, dort zu bleiben. Es gibt nur ein Waschbecken mit kaltem Wasser – so geht die Wäsche und Körperpflege schneller und wir haben das erste Weizen in der Hand bzw. im Bauch, als die Bonner kommen.
Aber zunächst kommt nur Uwe, der Bonner Roadmaster, Guide und Super-Scout. Die anderen waren ihm zu langsam, er weist ihnen per Handy den Weg, da er natürlich auch einen der beiden Kartensätze hat.
Abends gibt es noch mächtig Zoff in der Truppe, alle trinken Rotwein, Weizen und Grappa (nur Uwe bekommt keinen), so dass wir um 10 Uhr besoffen nach oben wanken. (Die Getränkerechnung dieses Abends (68 €) beeindruckt Philipp später sehr, vielleicht hat er nächstes Jahr auf Radtour nicht mehr so schnell ein schlechtes Gewissen, wenn irgendetwas ein bisschen mehr kostet...)

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Höhenprofil der Etappe
 

Tag 9: Rifugio Lancia – Rovereto (- Sterzing – Bad Saulgau) (Freitag, 05.09.)

Strecke

25,78 km

Höhenmeter

-1600 m (nur bergab!!!)

Gesamtkilometerstand

456,41 km

größte Höhe

1825 m

Fahrzeit

0:58

Höchstgeschwindigkeit

59,4 km/h

Zeit unterwegs

1:15

Durchschnittsgeschwindigkeit

29,1M km/h

Temperatur

0-25 °C

Wetter

sonnig

Nach Rovereto fahren wir sehr schön und schnell auf erst grobem, dann feinem Schotter und schließlich Asphalt ab, nur die Schatten durch die tiefstehende Sonne im Rücken irritieren, die Stufen im oberen Teil des Weges sehen so reichlich hoch aus.
Auf dem Weg nach Rovereto finden wir sogar die Eremitage S. Colombano, die auf der Landkarte abgebildet ist.
In Rovereto kaufen wir Bahntickets, eine Süddeutsche, trinken im Café Capuccino und essen die letzten Aprikosenhörnchen. Um 12:31 fährt unser Zug nach Sterzing (Fahrzeit ca. zwei Stunden), außer uns steigen noch etwa 20 weitere Mountainbiker ein.
Um ½ 8 sind wir in Saulgau, ich koche was, wir hören CDs von Andis Chor und klären mit Birgit und Philipp, wann und wo wir sie morgen treffen können. Ich habe mich gestern abend um einen Tag vertan, so dass sie nicht damit gerechnet haben, dass wir heute schon zurück sind.

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Höhenprofil der Etappe

Tag +: Donauradweg

Strecke

109,75 km

Höhenmeter

350 m

Gesamtkilometerstand

zählt nicht

größte Höhe

nicht so hoch

Fahrzeit

lange

Höchstgeschwindigkeit

im Sprint sauschnell

Zeit unterwegs

noch länger

Durchschnittsgeschwindigkeit

21 km/h

Temperatur

warm

Wetter

sonnig und schön

Nach gutem Frühstück und Einkauf im Hofladen fahren wir beflügelt mit fast leeren Rucksäcken zur Donau und den Donauradweg Richtung Birgit und Philipp. Nach 55 km stehen sie am Wegrand, haben gerade Birgits Gepäckträger mit einem aus einem Weidezaun herausgetrennten Stück Draht geflickt – gut, dass sie das Multitool mithatten! Philipp verteilt großzügig seine letzten Müsliriegel und wir machen uns auf den Weg zurück nach Saulgau. Philipp kriegt uns noch alle ans Schwitzen, indem er eine Sprintwertung nach der anderen anzieht, so ist er mit Birgit die ganze Strecke gefahren! Zurück zieht es sich ziemlich, wir besichtigen noch eine romantische Weg- und Brückenanlage in einem Park und gehen abends lecker die unvermeidlichen Maultaschen essen.

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Martin und Birgit

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Martin und Birgit

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Felsen an der Donau

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Donau

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Bei Andi in Bad

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Auffahrt zur Brennergrenzkammstraße

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Auffahrt zur Brennergrenzkammstraße

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Ich beim Reifenflicken

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...VentilDURCHriss!

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Weg zur Grenzkammstraße

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hinter dem Rif. Lancia

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Abfahrt

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Blick vom Pasubio

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Kirche

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Eremitage S. Colombano

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Eremitage S. Colombano

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Andi italiano

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Martin

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