TransAlp 2002

Mittenwald – Alleghe – Innsbruck

20.7. - 31.7.2002

 

    Statistik der Tour

     

    Tag 1-11

    “Fahrtage”
    (1,2,3,5,6,7,9,10)

    Strecke

    646,20 km

    511,95 km

    Durchschnitt km

    58,75 km/Tag

    63,99 km/Tag

    Fahrzeit

    48 h 18 min

    40 h 58 min

    Durchschnitt Fahrzeit /Tag

    4 h 23 min

    5 h 07 min

    Zeit unterwegs

    72 h 15 min

    64 h 15 min

    Durchschnitt unterwegs /Tag

    6 h 35 min

    8 h 02 min

    Höhenmeter

    15637 m

    13761 m

    Durchschnitt Höhenmeter

    1421,54 m/Tag

    1720 m/Tag

    Durchschnittsgeschwindigkeit

    13,4 km/h

    12,5 km/h

    größte Höhe

    2339 m

    2339 m

    Höchstgeschwindigkeit

    72,0 km/h

    72,0 km/h

     

     

     

     

     

     

     

 

Tag 0, Samstag, 20.07.2002: Anreise Euskirchen – Bad Saulgau

Nach langer Vorbereitung, intensiven Fahrradkauf (Martin: Canyon FX 5000) und Aufrüstaktionen (Andi: endlich eine Federgabel (Psylo XC), Scheibenbremse vorne incl. neuem Vorderrad, hinten eine HS 33, „das Hinterrad tut’s aber noch...“, Reifen usw.) ging es endlich los von Euskirchen Richtung Süden...
...doch halt: vorher stand die schwierige Frage: wie bekomme ich in einen viel zu kleinen Rucksack viel zu viele Dinge und halte dabei das Gewicht noch unter der magischen Sieben-Kilo-Grenze?! Und wieso fühlen sich sieben Kilo so verdammt schwer an? Mit akribischer Packliste lässt sich dann aber doch vieles unterbringen, sogar den Luxus einer Pfeife und eines Buches erlaube ich mir! Allerdings muss ich gestehen, dass ich meine Pfeifen gewogen und die leichteste mit einem halbvollen (!) Einwegfeuerzeug eingepackt habe und das Buch natürlich ein Reclamheft ist. Dass meine Probleme im Vergleich zu Andis eher gering einzuschätzen waren sollte sich in der folgenden Nacht noch herausstellen.
15:01 sitze ich im Talent nach Bonn, mein nicht geputztes Rad und ich harren der Dinge, die da kommen, es ist warm (wie immer im Talent), wenn wir so ein Wetter in den Alpen haben... !
In Bonn steige ich in einen IC, ich bin der letzte fehlende Radler, um diese Jahreszeit geht ohne Reservierung wirklich nichts.
Koblenz sieht von der Bahn genauso unerquicklich aus wie ich es kenne: halt ein Verkehrsknotenpunkt: Straßen über- und untereinander, komplizierte Kreuzungen und mittendrin ein großer Bahnhof. St. Goar bis Bacherach genieße ich das romantische Rheintal, das müsste ich mir unbedingt mal ausführlicher zu Gemüte führen!
Als guter Bildungsbürger habe ich mir für die Fahrt ausschließlich Fachliteratur mitgenommen, ich lese Arbeitsbücher NT und AT. Um 19:02 endlich uff d’r schwäbsche Eisebahne: Stuttgart, Ulm und Biberach, (leider nicht mehr Meckenbeuren und Durlesbach) dann erneutes Umsteigen nach Bad Saulgau in einem versifften Triebwagen. Dort holt mich Andi mit seinem Renn-Uno ab, bei ihm gibt’s Radler und Nudelsalat: „Ich kenne nur den einen Ansatz, der reicht eigentlich für 4-6 Personen, aber wir haben morgen ja was vor.“ Trotzdem schaffen wir ihn nicht ganz, Mitternacht liege ich im Schlafsack, während Andi weiterpackt, wir verabreden 6 Uhr aufstehen und spätestens 7 Uhr Abfahrt nach Mittenwald.

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Tag 1, Sonntag, 21.07.2002: Mittenwald – Pertisau

Strecke

65,08 km

Höhenmeter

1650

Gesamtkilometerstand

65,08 km

größte Höhe

1900 (Karwendelhaus)

Fahrzeit

5:04:37

Höchstgeschwindigkeit

71,9 km/h

Zeit unterwegs

7:20

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,8 km/h

Andi packt bis 3 Uhr, er muss ähnliche Mengen wie ich (statt Ersatzhose Sturmhaube und dicke Handschuhe) in seinen Aldi-Rucksack unterbringen, schließlich bleibt sogar noch Platz für 24 Energieriegel! Außerdem muss die Wohnung für die Urlauber (Otto und Marga mit Nine und Philipp) präpariert werden.
Um 5:00 werden wir aus süßen Träumen gerissen: Otto und Marga rufen an, um Andi zum Geburtstag zu gratulieren. So kommen wir – nach einem leckeren Frühstück mit Nudelsalat satt – schon um 6:45 los.
Allerdings zieht sich die Fahrt nach Mittenwald beträchtlich, unter anderem werden wir von einem Marathon (?) gestoppt.
Zum Karwendelhaus geht’s auf Schotter stetig bergan, traumhaftes Wetter, wir werden immer wieder von anderen Radfahrern überholt, (die haben aber auch kein Gepäck!) von denen uns einer besonders beeindruckt: er fliegt freundlich grüßend wie Lance an uns vorbei, nur um kurze Zeit später wieder den Berg runterzuflitzen, und dann wiederholt sich das Spielchen mehrmals, allein auf den letzten 250 Hm überholt er mich dreimal! Hier zeigt sich auch, was die folgenden Tage prägen wird: Andi fährt nach der Hälfte bis zwei Dritteln eines Berges davon, während ich immer wieder kleinere Päuschen einlege(n muss).
Am Karwendelhaus ist eine beeindruckende Sammlung allerfeinster MTBs zu besichtigen, wir trinken einen Spezi und stellen fest, dass noch mehr Menschen den „Deuter Transalpine“ fahren.
Die Abfahrt zum kleinen Ahornboden durch tiefen, losen Schotter fordert erstmals Andis 125 mm Chopper-Gabel, die dann aber auch gut zu tun bekommt, hier zeigt sich der zweite die Tage prägende Effekt: Bergab auf Schotter warte ich, merkwürdigerweise fast immer eine Minute. Es zieht sich langsam zu, aus der Eng geht’s von 900 m wieder auf 1600 hoch, es fängt an zu donnern, dann sehen wir die ersten Blitze, sie kommen immer dichter hintereinander, der Abstand Blitz-Donner schrumpft: 4-3-2-1 Sekunde, wir fliehen unter ein paar riesige Kiefern (?). Die versprechen mehr Dichtigkeit als sie halten können, so dass wir unsere komplette Regenmontur auspacken. Gerade als das Gewitter sich daran macht, weiterzuziehen, kommen 8 Kühe angaloppiert, wir stehen offensichtlich auf ihrem Standplatz! Zum Glück gibt’s aber einen zweiten Baum, unter dem sich die Kühe tummeln. Wir nehmen die letzten Höhenmeter bis zum Joch, ich habe meinen ersten echten Einbruch, muss alle 50 Hm stehen bleiben, essen, trinken, ...
Die Abfahrt auf der lt. Bike bei der Challenge 2000 „einige Favoriten ihr fahrtechnisches Waterloo erlebten“ hat’s wirklich in sich: extrem tiefer Schotter, Kurven, bei denen es geradeaus unmittelbar in den Abgrund zu gehen scheint, tiefe Rinnen und zusätzlich verblockte Stellen, manche Kehren schieben wir sicherheitshalber, trotzdem muss Andi das erste Mal „in den Schnee greifen“.
In Pertisau am Achensee ist es schon 17:50, so das wir uns eine Pension suchen, wir trinken Bier und Schnaps auf Andis Geburtstag und genießen ein Menü (Salatbar, Suppe, Puten-Cordon bleu mit Pommes, undefinierbarer Nachtisch).

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Tag 2, Montag, 22.07.2002: Pertisau – Stumm

Strecke

66,46 km

Höhenmeter

 2097 m

Gesamtkilometerstand

131,54 km

größte Höhe

 1888 m

Fahrzeit

5 h 9 min

Höchstgeschwindigkeit

 64,8 km/h

Zeit unterwegs

8 h 20 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

 13,8 km/h

Nach dem Frühstück geht`s in die Garage zu unseren Rädern: Andis ist platt! Also erst mal flicken und die verrosteten Ketten pflegen, am zweiten Tag zum zweiten Mal Start mit Verspätung (10 Uhr, eine Stunde später als geplant).
Der Achensee liegt völlig ruhig da, wir fahren ein Stück daran entlang und entdecken eine Metallskulptur eines Bundesadlers oder Pleitegeiers oder was auch immer an einer Hauswand.
Es folgt eine schnelle Straßenabfahrt ins Inntal, dann Radweg auf Asphalt und Schotter vorbei an verschiedenen Burgen und Schlössern, über Wiesenpfade in den Wald.
Dort der Anstieg nach Reith im Alpbachtal: hier wäre das Ziel der ersten Renn-Etappe, wirklich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die Spitzenteams die Strecke bis hierhin unter 4 Stunden bewältigt haben (wir sind bergab teilweise deutlich unter deren Durchschnittsgeschwindigkeit geblieben...). Reith ist ein Musterbeispiel für Tiroler Fremdenverkehr: Blumen, Holzbalkone, Trachten, alles top sauber, wir verlassen nach kurzem Einkauf schnell dieses Paradies, um uns zunächst auf Asphalt steil in die Höhe zu schrauben, dann auf 1000 m Höhe über einen traumhaften (und vermutlich für Fahrräder verbotenen) Singletrail nach Inneralpbach zu fahren – manchmal ist es richtig gut, wenn man sich ein bisschen verfährt! Nun fehlt noch ein „Hügel“ (250 Hm) bis zum Einstig zur Tagesrampe: dem Steinbergjoch.
Da wird dann erst mal pausiert, die nassen Klamotten getrocknet und der Selbstauslöser getestet.
Die 950 Hm zum Joch steckt Andi (scheinbar?) ganz locker weg, er kurbelt konstant im zweiten Gang den Berg hoch, während ich ihn psychologisch aufbaue und mich geschickt etwas zurückfallen lasse.
An der Alm ist mit der Schotterpiste und mit Fahren Schluss, wir sind ein bisschen kalt und sehr durstig. Die Alm ist kein durchgestyltes Hochalpencafé, trotzdem fragen wir, ob wir etwas zu trinken bekommen können: aber sicher! Ich bestelle einen großen schwarzen Tee, Andi will Kakao: „da muass i mal schaun, ob i noach a Milch hoab“ – und die Sennerin verschwindet im Stall, kommt mit frischgemolkener Milch zurück, kocht Andi seinen Kakao. Später bezahle ich 2 € - für beide Getränke! Die letzten 200 Hm tragen und schieben wir die Räder, laut Roadbook ist die Abfahrt komplett fahrbar, aber nicht für uns (wir haben aber auch keine Idee, für wen). Also schieben und tragen wir bergauf und bergab jeweils ½ Stunde, bis der Weg besser wird, die folgende Abfahrt führt uns zunächst über Schotter, dann über feste Lehmstraßen, schließlich auf Asphalt über 1300 Hm hinab ins Zillertal.
In Stumm finden wir ein urgemütliches Gästehaus mit bemalten Bauernmöbeln und Dusche/Klo auf dem Gang. Das Abendessen ist ebenfalls typisch Tirol: Tiroler Gröstl (Bratkartoffel, Speck, Rindfleisch) mit Spiegelei und Krautsalat, zum Nachtisch ein Kaiserschmarrn für zwei.
Der Oma-Gratulationsanruf sorgt insbesondere bei Otto für Freude, er telefoniert mit Landkarte auf den Knien und will alles ganz genau wissen.
Trotz des schönen Zimmers wird die Nacht eine Katastrophe, ich schlafe schrecklich schlecht, wir werden zudem noch von einem – zugegebenermaßen schönen – Feuerwerk aus dem ersten Schlaf gerissen.

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Tag 3, Dienstag, 23.07.2002: Stumm - Sterzing

Strecke

80,95 km

Höhenmeter

1782 m

Gesamtkilometerstand

212,49 km

größte Höhe

2271 m

Fahrzeit

5:43

Höchstgeschwindigkeit

72,0 km/h

Zeit unterwegs

9:15

Durchschnittsgeschwindigkeit

15,3 km/h

Wir kommen relativ früh los und rollen über Radwege und Nebenstraßen fast flach nach Mayrhofen zum Einstieg in den einzigen heutigen Berg: 1700 Hm am Stück liegen vor uns, das Wetter verspricht traumhaft zu werden, hoffentlich nicht zu heiß. Hinter Mayrhofen geht’s auf die alte Straße, wir besichtigen eine Klamm und schrauben uns die ersten paar hundert Höhenmeter schattig und sehr schön nach oben. Beeindruckend, wie die alte Straße durch den Fels gesprengt wurde.
Auf ca. 1200 m beginnt der mautpflichtige Teil, die Damen an der Kasse schicken uns auf eine Forststraße wegen Gefahren in den unbeleuchteten Tunnels. Es wird immer heißer, der Weg steiler, meine Pausenfrequenzen kürzer, der Durst größer – bis wir schließlich vor einem freundlichen Hinweisschild stehen: „Steinschlag – schnell durchgehen!“ – Aber wie soll das bei dieser Steigung und dem immer schmaler werdenden Weg, noch dazu übersät mit deutlichen Zeichen erfolgreicher Steinschlagaktivitäten des Berges, gehen? Aber wir tun unser Bestes, lassen die gefährdete Zone auch sicher hinter uns um uns an einem Bach zu erfrischen und die Wasservorräte wieder aufzufüllen.
Auf 1550 m trifft der Forstweg wieder auf die Mautstraße vor uns liegt jetzt die gigantische Staumauer vom Schlegeis-Speicher-See - noch 230 Hm in Serpentinen, unfairerweise wird Andi auch noch von Inschriften einer Fans auf dem Asphalt angefeuert („Hopp Andi Hopp“).
Oben dann Menschenmassen, volle Parkplätze, an der Einmündung des Wanderwegs zum Joch machen wir Mittagspause, um 13.30 verlassen wir die Infrastruktur von Andenken- Imbiss- und Getränkebuden und nehmen die 2 Stunden Schiebepassage in Angriff. Zunächst lässt sich noch einiges fahren, dann muss, auch wegen der Menschenmassen, immer mehr geschoben werden. Schwierig gestaltet sich die Kommunikation mit Entgegenkommenden:
1. Problem: welche Sprache ist das?
2. Problem: Was soll ich angemessen antworten?
3. Problem: und wo nehme ich dafür die Luft her?!
Irgendwann überhole ich eine größere Wandergruppe, einer ruft: „Vorsicht, Fahrrad!“ – „WAAAS?!“
Aber das Hochtal ist wirklich traumhaft, von überall her strömt Wasser herunter, massenhaft Blumen.
Dann der große Schock: beim Blick auf meinen Rahmen sehe ich einen Riss am Sattelrohr, der schon mehr als halb rumgeht! Wir entscheiden, dass wir nach Sterzing abfahren, in der Hoffnung, dort ein Ersatzfahrrad, eine Bahnstation, Telefonmöglichkeiten, eine Eingebung oder ähnliches zu bekommen.
Nach kurzer Rast am Pfitscherjochhaus (2276 m) fahren wir mit tiefergestelltem Sattel (bessere Hebelverhältnisse) die 35 km nach Sterzing ab: erst Schotter und dann lange Straße. Über’s Fremdenverkehrsbüro finden wir schnell eine günstige Unterkunft in Haus Kofler. Hier sehen wir auch erstmals eine Reihe anderer Mountainbiker.
In der Altstadt (oder war’s die Neustadt?) essen wir auf der Straße ein leckeres Menü, was meinen Frust aber nicht wirklich besänftigen kann.

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Tag 4, Mittwoch, 24.07.2002: Fahradauswechseltag Sterzing

Strecke

18 km

Gesamtkilometerstand

230,49 km

Nachdem einige abendliche Telefonate mir klargemacht haben, dass meine erste Idee, das Schicken oder gar die, dass Otto mein altes MTB nach Sterzing bringt, völlig unrealistisch sind, müssen wir eine sinnvolle Lösung finden. Kurzfristig denke ich ernsthaft darüber nach, zwei Paar Wanderschuhe zu kaufen und die Tour einfach zu Fuß fortzusetzen.
Morgens bekommen wir von der Wirtin den Tipp, es mal in „Walters Radlklinik“ zu versuchen. Dort wirkt ein alter Rennradfreak am Schraubenschlüssel: wir seien seit gestern die Zweiten mit Rahmenbruch, gestern der Cannondale-Fahrer (Bruch am Tretlager) sei nach Innsbruck zurückgefahren auf der Suche nach einem Leihrad.
Erst wird noch mal heftig das ganze Pustertal durchtelefoniert, bis Walter schließlich ein ca. 8 Jahre altes Giant Cadex mit DX-Ausstattung und Marzocchi-Gabel rauskramt, dass ich für 15 € am Tag mieten kann. Also werden Pedale, Tacho, Sattel und Mäntel ummontiert, das Tretlager neu eingestellt und am Spätnachmittag noch eine richtig „scharfe“ Alpenübersetzung mit 26/28 montiert. Auch wenn die Sitzposition ungewohnt frontlastig mit hohem Vorbau ist müsste es eigentlich gehen.
Ich bin deutlich gelassener, wir beschließen, das Rad zu testen und Burg Freienfels zu besichtigen. Bei der Suche nach einer Bank für die Mittagspause finden wir nur solche neben Misthaufen, wir nehmen den ältesten, so dass Gestank und Fliegen im orangen Bereich bleiben, wenn wir auch von einem mehrmals vorbeifahrenden Gülle-Trecker gut eingestaubt werden.
Die Burgbesichtigung ist wirklich lohnend, gegen Ende geht Andi dann auf, das dies eine Kindheitserinnerung ist: in dieser Burg gibt es die Kojenbetten für die Knappen, außerdem Rillen an den Schlössern, dass der Schlüssel bei schlechter Beleuchtung das Schloss findet. Die Kojenbetten sind die Vorbilder für das von Otto gebaute in Rheder, wobei ich den Schlaf in Rheder auf jeden Fall dem in den mittelalterlichen Betten vorziehen würde...
Nachmittags in Sterzing wandern wir durchs Städtchen, kaufen und schreiben Postkarten, essen Eis und lesen „Süddeutsche“.
Die viele Zeit macht die Entscheidung für ein Restaurant schwierig, wir essen aber leckere Nudeln und gehen anschließend auf das Lichterfest. Angeblich wird für die Touristen im Sommer jeden Mittwoch die ganze Innenstadt erleuchtet, es spielen mehrere Kapellen mit verschiedenen Stilrichtungen, so dass für jeden was dabei ist, es gibt massig Bierstände mit Forst-Bier, von dem wir uns auch einige Krüge genehmigen. Wir treffen aber alle Sterzinger, die wir kennen gelernt haben und eine Woche später bestätigt uns Walter augenzwinkernd, dass die Sterzinger selber wohl die eifrigsten Nutznießer dieser fremdenverkehrspolitischen Maßnahme sind.
Wir genießen noch einen interessanten Nachtisch: Riesenflachberliner mit Vanillesoße und Preiselbeeren, fliehen der landestypischen Musik (die von einer holländischen Combo am Zwölferturm gespielt wird) und hören wirklich guten Zuzwein-Unterhaltern zu, die alle Rock-Hits der letzten 30 Jahre drauf haben.

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Tag 5, Donnerstag, 25.07.2002: Sterzing – Schlüterhütte

Strecke

71,13 km

Höhenmeter

2505 m

Gesamtkilometerstand

301,62 km

größte Höhe

2306 m

Fahrzeit

6 h 23 min

Höchstgeschwindigkeit

57,6 km/h

Zeit unterwegs

8 h 45 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

11,95 km/h

Wir brechen um 9 Uhr auf, fahren auf Forststraßen und kleinen Landstraßen zügig nach Brixen, immer parallel zu Straße, Bahn und Autobahn. Ein ganzes Stück fahren wir mit zwei freundlichen Stuttgartern, die eigentlich vom Rennrad kommen und sogar Andis Downhillkünste bewundern – obwohl es auf dem gemeinsam gefahrenen Stück eigentlich gar nicht richtig runter ging. In Brixen gibt’s für Andi eine Kurzführung durch die historische Altstadt auf der Suche nach einem Photogeschäft, um eine neue Batterie zu kaufen. Andi kann sich aber an nichts mehr erinnern, die Familienurlaube im Häuschen sind wohl doch schon zu lange her.
Das nächste Stück kenne ich noch vom letzten Sommer, als ich meine grundsätzliche TransAlp-Fähigkeit getestet habe. Von Albeins aus geht es am Aferer Bach 1100 Hm stetig bergauf, ich habe leichte Psychoprobleme (kann man auch Angst nennen), ob ich die Etappe schaffen werde: mit der schwachen Übersetzung, meiner mangelnden Kondition, Kraft, Sportlichkeit, Bereitschaft zur Quälerei. Ich habe die Nacht schon mit einem flauen Gefühl im Bauch beendet. Irgendwie geht’s aber doch, Mittagspause am Bach kurz vor der Einmündung auf die Würzjochstraße, von hier sind es noch 200 Hm bis zum ersten „Gipfel“ unter den Aferer Geißlern. Dann eine schöne Schotterabfahrt nach St. Magdalena, ich trauere meinem eigenen Rad hinterher, bergab fährt es sich mit moderner Federung und Scheibenbremsen doch deutlich komfortabler. Die eindrucksvoller Aussicht auf dieses Modelleisenbahndorf, überragt von Sass Rigais und den anderen Geißlerspitzen macht verständlich, warum Menschen in dieser Gegend auf die Idee kommen können, dass das Besteigen von Bergen ein Lebensinhalt sein kann. Die kleine Dorfkirche von St. Magdalena ist außen mit schönen Fresken bemalt.
Wir entscheiden uns, weitere 500 Höhenmeter unter die Räder zu nehmen und die Nacht auf der Schlüterhütte zu verbringen, irgendwann müssen die teuren Alpenvereinsausweise ja auch eingesetzt werden!
Die Strecke ist angenehm fahrbar, nur selten erster Gang auf gutem Untergrund, wir verfahren uns einmal, was uns weitere 150 Hm kostet. Das letzte Stück schieben wir, von der Alm bis zur Hütte ist der Weg zumindest bergauf nicht mehr fahrbar. Das es andersrum geht beweist ein ganzer Trupp Mountainbiker, der uns auf dem teilweise ausgesetzten und sehr schmalen Pfad zügig entgegen kommt.
Die erste Hüttennacht liegt vor uns, die Stimmung auf der Hütte ist nett und freundlich, wir unterhalten uns den ganzen Abend mit einem etwa 50jährigen Hamburger Paar (er ist Gesamtschullehrer), die von München nach Venedig wandern.
Dass dieser Tag die Königsetappe werden würde war nicht geplant. Dies lag aber auch weniger daran, dass wir heute so viel, vor allem hoch gefahren wären, sondern dass sich 2500 Hm zu Hause bei der Planung sehr viel weniger anhört als es dann in der Realität ist. Insbesondere das Motivationsproblem nach 1800 m noch mal einen ganzen Berg in Angriff zu nehmen und weitere 1 ½ Stunden bergauf zu fahren haben wir unterschätzt. Für’s nächste Mal wissen wir auf jeden Fall, dass die Maßstäbe der TransAlp-Challenge nicht nur ein bisschen, sondern viel zu hoch sind. So blieb es nur an diesem Tag bei den eigentlich als Durchschnitt angestrebten 2500 Höhenmetern.

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Tag 6, Freitag, 26.07.2002: Schlüterhütte - Faneshütte

Strecke

46,82 km

Höhenmeter

1485 m

Gesamtkilometerstand

347,82 km

größte Höhe

2339 m

Fahrzeit

4 h 4 min

Höchstgeschwindigkeit

57,6 km/h

Zeit unterwegs

6 h 5 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

11,5 km/h

Trotz Hütte kommen wir nur spät los, weil wir trotz – oder wegen? – Hütte das Frühstück fast verschlafen hätten: die Nacht war kalt, ungemütlich und mir macht das Schlafen auf dieser Höhe Probleme, meine mir schon bekannte aber bisher erfolgreich verdrängte Höhenfühligkeit stellt sich unweigerlich wieder ein.
Als erstes verpassen wir den Weg, müssen schieben, tragen, querfeldein, dies lohnt sich aber, ich sehe das erste Mal in meinem Leben wildes Edelweiß.
Nach einem in Teilen für uns nicht fahrbaren Wanderweg kommen wir auf die lange Schotterabfahrt, die ihren krönenden Abschluss in einem wunderschönen Trail am Campill-Bach findet.
In Piccolein verpassen wir den entscheidenden Abzweig (den wir dann ein paar Tage später doch noch finden), so dass wir übers Ju-Jöchl (ca. 1550 m) fahren, dort lange und zunehmend schlecht gelaunt nach dem Weg suchen (kam zumindest mir so vor) und mit einer tollen Schotterabfahrt nach St. Vigil belohnt werden.
Dort kaufen wir Schüttelbrot und Kaminwurst und machen frühe Mittagspause neben einem Kriegerdenkmal. Neben den üblichen Tafeln mit den Namen der Gefallenen steht statt eines Helden oder einer Heldenpietá die Bronze einer Bäurin mit einer Mistgabel, sehr eindrucksvoll und viel passender.
Peitlerkofel und Blick auf die Abfahrt durch die Wiesen ins Campill-Tal.
Darauf folgen 11 km relativ flacher Anstieg auf Asphalt und festem Schotter zur Pederü-Hütte durch ein sagenhaftes weites Tal mit Kiefernwäldern auf sandigem Boden gerahmt von 200-300 m hohen senkrechten Felswänden.
Von der Pederü-Hütte zur Fanes-Hütte geht es noch 500 Hm auf steiler Schotterpiste bergan, für konditionsstarke Taktierer komplett fahrbar (-> Andi), er wird von italienischen Wanderern lautstark befragt, angefeuert und dann sogar wieder angeschoben während ich mal wieder alles alleine schaffen muss...
Die Fanes-Hütte ist sehr schön, 1996 komplett renoviert, die Hüttenwirtin ist ausgesprochen nett, die Duschen kostenlos, das Abendessen erweckt Vorfreude! Nur unsere schönen Alpenvereinsausweise werden mit einem Grinsen quittiert und wir erfahren, dass es hier und auf den meisten Hütten Richtung Süden keinerlei Vergünstigungen gibt, da diese alle privat geführt werden! Das heißt aber auch, dass wir trotz noch freier Betten keinen Anspruch auf ein solches haben und hoffen müssen, dass die angemeldete Gruppe nicht kommt.
Wir machen es uns erst mal frisch geduscht auf der Terrasse in der Sonne gemütlich, trinken Bier und Radler, waschen Wäsche, lesen.
Der Abend wird lang (zwar nur bis ½ 10, aber er hat schon um 6 Uhr angefangen!), wir sitzen mit den netten Stuttgartern von vorgestern an einem Tisch und trinken Bier und Schnaps während wir die Speisekarte mehr oder weniger strategisch günstig durchessen: wir günstig, indem wir sofort nach maximalem Sättigungsgrad bei minimalen Kosten auswählen, die Stuttgarter ungünstig, indem sie zunächst das vermeintlich Leckerste essen um dann festzustellen, dass sie davon nicht satt werden.
Die Nacht wird für mich wieder mühsam, ich liege lange wach und schlafe schlecht.

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Tag 7, Samstag, 27.07.2002: Faneshütte - Alleghe

Strecke

60,59 km

Höhenmeter

1549 m

Gesamtkilometerstand

408,41 km

größte Höhe

2307 m

Fahrzeit

5 h 39 min

Höchstgeschwindigkeit

63,0 km/h

Zeit unterwegs

9 h 30 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,8 km/h

Wir kommen früh los, vor uns liegt eine vermeintlich kleine Etappe. Nicht bedacht haben wir dabei Meister Stancius Roadbuch-Poesie: so oft wie heute haben wir ihn auf dem ganzen Rest der Tour nicht verflucht!
Die Abfahrt ins und durch das Fanes-Tal ist ein Traum, eigentlich viel zu schade, um sie mit dem Rad zu machen. Beim Versuch die Stuttgarter mit extrem schnellem Downhill zu beeindrucken werde ich auch prompt bestraft und fange mir einen Snake-Bite ein, so dass beim Reparieren Zeit bleibt, das Tal zu genießen.
Später geht’s am Bach entlang auf schönen Wald- und Wiesenpfaden nach Cortina D’Ampezzo. Da Andi zwischendurch eine seiner Trinkflaschen verloren hat müssen wir in einem Schicki-Micki Sportgeschäft sündteuren Ersatz beschaffen, außerdem ist ihm noch eine Schraube am Cleat verloren gegangen und Ersatz gibt es natürlich nur in Form eines kompletten Cleat-Satzes. So kommt er zur teuersten Schraube seines bisherigen Lebens: 14 €! Dafür ist aber keine Bäckerei oder Lebensmittelgeschäft aufzutreiben, die Menschen hier scheinen sich von Juwelen, Pelzen und Schampus zu ernähren.
Hinter Cortina kaufen wir auf einem Camping-Platz doch noch etwas ein, dann geht es bei zunehmender Hitze (begonnen hat unser Tag mit 6°C, selbst in Cortina waren es erst 14°!) auf einem zunehmend ätzenden Schotterweg bergan. Wo Stanciu seine Steigungsprozente her hat bleibt ein Rätsel, ich muss immer wieder schieben, Andi in den ersten Gang (22/34). Nach der Federa-Alm ist der Weg für uns gar nicht mehr fahrbar, ein Landrover kommt im ersten Berggang an uns vorbei und wir sind uns einig, dass wir den Wagen hier nicht hochgefahren hätten. Dabei hat’s hier angeblich nur 14% Steigung – mein Tacho zeigt zwischen 20 und 30%.
Nach dem Rifugio Croda da Lago sieht der Weg wieder mal in einem traumhaften Hochtal fahrbar aus, ist es aber überwiegend nicht: über 2000 m Höhe sind 9% auf losem Schotter und durch Geröllfelder doch ziemlich heftig.
Wir überschreiten die Forcella Ambizzola (2277 m)und kurz darauf im Schotterfeld die Forcella Col Duro (2293 m). Jetzt sollen wir dem Pfad abwärts folgen, aber dieser ist zunächst wieder ein Schiebestück, geht später in einen Trial, dann in einen wunderschönen Trail über. Nach einem echten Vorwärtssalto meinerseits und großen Wandergruppen auf sehr engen Wegen gibt’s im Rifugio Città da Fiume Spezi und Wasser.
Dann steil auf gut fahrbarem Schotter durch den Wald - Andis Hinterradfelge verabschiedet sich: durchgebremst. Zum Glück lässt sich mit reduzierter Luft und abmontierter Hinterradbremse auf Asphalt nach Alleghe weiter abfahren. Dabei gibt es noch einen besonderen Nervenkitzel: völlig unbeleuchtete Tunnels mit 50 km/h durchfahren geht am besten, wenn man direkt hinter einem Auto hängt und dessen Licht mitnutzt.
In Alleghe ist uns das Glück wieder hold: Wir bekommen die bisher billigste Unterkunft im ***Hotel „Central“ (20€ ÜF, 33€ HP), Andi findet noch einen Fahrradhändler, der ihm am Samstagabend 18 Uhr ein neues Hinterrad einbaut und sogar das alte ausspeicht, so dass Andi Speichen und Nabe mit nach Hause nehmen kann.
Wir spazieren noch durch den Ort, finden kuriose Trikes und freuen uns auf das Essen. Und das Freuen lohnt sich: Das Abendessen ist klasse! Es gibt ein riesiges Salatbuffet, Grüne Nudeln mit Ragú, Rumpsteak gegrillt (ganz dünn) mit Mangold und Apfelstrudel.
In diesem schönen Hotel wollen wir noch eine Nacht verbringen und einfach einen Ruhetag einlegen. Zu unserer großen Freude hat der freundliche Manager sogar unser Zimmer für einen weiteren Tag frei! Im Zimmer wird noch schön ferngesehen und spät geschlafen.

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Tag 8, Sonntag, 28.07.2002: „Ruhetag“ Alleghe

Strecke

30,73 km

Höhenmeter

1017 m

Gesamtkilometerstand

439,14 km

größte Höhe

1839 m

Fahrzeit

2 h 29 min

Höchstgeschwindigkeit

50,4 km/h

Zeit unterwegs

2 h 30 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,3 km/h

Nach einer etwas kürzeren Nacht, bedingt durch das deutschsprachige Programm und einen spannenden Spätfilm gibt es zunächst ein grandiosen Frühstück: frischgebackene, mit Aprikosen gefüllte Hörnchen, Cappuccino und heiße Schokolade, die so stark ist, dass Andi bei seiner Verdünnungsreihe nicht bis zu einem trinkbaren Ergebnis vorstoßen kann. Eine wirklich runde ältere Dame lädt sich ihren Teller so mit den leckeren Hörnchen voll, das sie uns rücksichtsvolle und zurückhaltende Tedesci dazu ermuntern, einen zweiten Anlauf bei den Hörnchen zu wagen.
Dann planen wir den Rest des Urlaubs und beschließen, nach Sterzing zurück zu fahren, so dass wir spätestens Mittwoch morgen dort sind, um das Leihrad zurück zu geben.
Etwas Sport und Bewegung tut aber nach dem ausgiebigen Frühstück und in Erwartung der opulenten Abendmahlzeit not, wir machen eine kleine Tour: ohne Gepäck schnell über die Straße bis zur gestrigen Abbruchstelle und die hochgelobte Abfahrt gesucht, laut Bike fand irgend ein kanadischer Superbiker, den man wohl kennen müsste, die Strecke so gut, dass er sich zu der Aussage „one of the best days in mountainbiking I’ve ever had!“ hinreißen ließ. Nach einigem Auf und Ab geht’s dann auf 8 km tatsächlich fast 900 hm runter – und wie! Zunächst auf Skipisten, teils quer, teils aber auch fast in der Falllinie, dann nicht weniger steil über verblockte und superschmale Pfade ohne Geländer und Auslaufzone Richtung Alleghe. Überwiegend mehr als 20% Gefälle, die Bremsen und der Mut sind am Anschlag. Ich jubiliere, wünsche mir mein eigenes Rad zurück, würde die Strecke gerne noch mal fahren, Andi flucht, will die Strecke auf keinen Fall noch mal fahren...
Pünktlich um 14 Uhr sitzen wir geduscht auf dem Bett und beobachten, wie Schumi in Hockenheim siegt, dann wird umgeschaltet und das Tour-Finale geguckt, McEwan gewinnt die Etappe und Lance die Tour. Dann spazieren wir etwas durch den Ort, essen ein Eis um uns schon mal auf’s Abendessen einzustimmen, das ähnlich lecker ausfällt wie das gestrige.

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Tag 9, Montag, 29.07.2002: Alleghe – St. Vigil

Strecke

68,36 km

Höhenmeter

1876 m

Gesamtkilometerstand

507,50 km

größte Höhe

2114 m

Fahrzeit

5 h 16 min

Höchstgeschwindigkeit

57,6 km/h

Zeit unterwegs

9 h

Durchschnittsgeschwindigkeit

13 km/h

Wir fahren nach einem (sehr) süßen Frühstück, bei dem Andi versucht, den Kakao auf ein trinkbares Maß herunter zu verdünnen – was ihm nicht gelingt, die Versuchsreihe muss noch fortgesetzt werden! - Straße bis nach Digonera, nachdem wir vergeblich versucht haben, den ersten Tunnel zu umfahren, dann auf Asphalt und Schotter fast komplett fahrbar am Cordévole-Bach entlang bis zum Salnazza-Tal, von hier wieder Asphalt nach Cherz (mit Katze auf der Wäscheleine), Schotter bis zum Rifugio Incisa. Dort regnet es zum ersten Mal an diesem Tag, über der Marmolada hängen tiefschwarze Wolken und es blitzt und donnert - in der Ferne. Nach Espresso-Pause fahren wir trotzdem zum Rif. Pralongia (2139 m) um „eines der besten 360°-Panoramen der Alpen“ zu genießen. Und es lohnt sich trotz der Wolken wirklich. Dann setzt der Regen wieder ein, zum Glück überwiegend ohne Gewitter, und wir fahren über Weg 23 nach St. Kassian ab. Zunächst sehr steil unterm Skilift, später schöne und schnelle Schotterabfahrt. Dort machen wir Mittagspause mit Blick auf die Kreuzkofelgruppe.
Es folgt ein schneller Schottertrail am Gaderer Bach entlang bis nach St. Leonard, mittlerweile ist es egal, ob es regnet oder nicht, da der Boden so nass ist, dass wir vom Spritzwasser mindestens genauso nass werden wie vom Regen. Am Skilift geht’s wieder bergan bis Valgiarëi, von dort auf sehr schönem schmalen Trail am Steilabhang durch den Wald, später Schotter und Asphalt nach Wengen.
Nun hat’s auch überm Kreuzjoch und Peitlerkofel begonnen zu gewittern, und das ist uns zu nah, um über den Berg nach St. Vigil zu fahren, also Abfahrt nach Pederoa, nun finden wir die schon einmal verpasste Abfahrt und fahren im Nieselregen einen superschnellen Schotterweg durch den Wald nach Zwischenwasser (wenn man es vermeiden kann, über die Folgen eines Absturzes nachzudenken!).
In Zwischenwasser gibt’s keine Unterkunft, also bei zunehmendem Regen nach St. Vigil, das merklich höher liegt, so kommen heute doch noch einige Höhenmeter zusammen. Nach einiger Suche finden wir eine nette Pension, die überraschend teuer ist: die Hauptsaison hat begonnen! Essen scheint eine ähnlich kostspielige Angelegenheit zu werden, bis wir eine Pizzeria mit normalen Preisen, großen Pizzen und Tiramisu bzw. Apfelstrudel finden.
Wir gucken noch „Mörderischer Vorsprung“ mit Sidney Poitier und schlafen gut...

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Tag 10, Dienstag, 30.07.2002: St. Vigil – Vahrner See

Strecke

51,60 km

Höhenmeter

1372 m

Gesamtkilometerstand

559,10 km

größte Höhe

2071 m

Fahrzeit

4 h 2 min

Höchstgeschwindigkeit

63 km/h

Zeit unterwegs

6 h

Durchschnittsgeschwindigkeit

12,8 km/h

Nach dem besten Frühstück der Tour: frischer Obstsalat, Vollkornbrot, Käse und Schinken, fahren wir zurück nach Zwischenwasser. Bis hier liegt die Durchschnittgeschwindigkeit bei 36 km/h, das erklärt, warum das letzte Stück gestern noch so anstrengend war. Vom Gaderer Bach hinauf nach Wellschellen, dann durch den Wald Richtung Turnaretsch-Hütte, fast komplett fahrbarer Weg, auf der Höhe mal wieder ein schöner Blick auf den Peitlerkofel.
Hinter der Hütte wird der Pfad sehr schmal und obwohl er kaum Steigung hat fast vollständig unfahrbar, dann folgt eine schöne und schnelle Schotterabfahrt, die streckenweise vielleicht etwas zu steil ist. Mein Hinterreifen verliert Luft, es ist aber kein Loch zu finden – dafür hat der Ersatzschlauch eins!
Auf der Straße nach Brixen fahren wir den Weg, den ich mit Birgit schon mit den Rennrädern gefahren bin, die Hitze macht mir sehr zu schaffen, ich habe zu wenig Wasser.
In Brixen finden wir den Bahnhof nicht (zwecks Zugauskunft), fahren stattdessen zum Vahrner See, bekommen ein Zimmer im Gasthof und gehen erst mal im See schwimmen, so kommen auch noch die Badehosen zu ihrem Einsatz.

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Tag 11, Mittwoch, 31.07.2002: Vahrner See – Innsbruck

 Innsbruck – Mittenwald – Bad Saulgau

Strecke

85,49 km

Höhenmeter

ca. 900 m

Gesamtkilometerstand

644,59 km

größte Höhe

1336 m

Fahrzeit

3 h 54 min

Durchschnittsgeschwindigkeit

21,9 km/h

Nach Südtiroler Frühstück (mit Speck und Käse, deutlich besser als der italienische Süßkram, vor allem, da die Südtiroler das Beste am italienischen Frühstück übernommen haben: den Capuccino!) fahren wir auf Schotter bis Franzensfeste, verfranzen uns aber und beschließen, Straße bis Sterzing zu fahren, da wir heute noch nach Saulgau zurückwollen und immer noch keine Ahnung haben, wann und wie die Züge Richtung Innsbruck fahren.
In Sterzing baue ich mein Rad wieder um, während Andi sich um Geld und Zugauskunft kümmern geht. Die Züge fahren sehr ungünstig, wir könne frühestens um 14.59 Uhr auf dem Brenner sein.
Also fahren wir kurzentschlossen mit dem Rad nach Innsbruck, auf dem Brenner kaufen wir noch Limo und Schüttelbrot sowie ein Fahrradtrikot für Philipp, dann geht’s ewig lange durch’s Tal nach Innsbruck, die Straße hat aber nur Anfangs und am Ende deutliches Gefälle, führt sonst weitgehend auf einer Höhe den Hang entlang.
Um 14.30 Uhr sind wir in Innsbruck, um 14.59 (sic!) geht der Zug nach Mittenwald, 11,60 € für beide incl. Fahrräder!
Kurz nach 16 Uhr sind wir am Auto, Luft nachfüllen, Eis und Bier (für den Beifahrer), dann ewige Überlandfahrt, ca. 20 Uhr sind wir in Saulgau, nachdem massig Unwetter über uns hinweggezogen sind.
Marga, Otto und die Pänz sind nicht da, ich koche was, wir lesen Stadt-Anzeiger und warten. 22.15 kommen sie endlich und wir erzählen noch bis 0.30 Uhr, dann gehen wir in den diversen Notbetten schlafen.

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Ausgaben unterwegs für Unterkunft, Verpflegung und sonstiges (ohne Spezialausgaben wie Ersatzteile): je 450 €

 

TA-Rad 02

0

Hinfahrt: Marathon

1

Hinfahrt: Andi am Steuer

2

Tag 1: Karwendeltal

3

Tag 1: Karwendelhaus

4

Tag 2: Achensee

5

Tag 2: Schloss im Inntal

6

Tag 2: Mittagspause

7

Tag 2: Steinbergjoch

8

Tag 3: Die Klamm Richtung Schlegeis Speicher

9

Tag 3: ein willkommener Gebirgsbach

10

Tag 3: Andi vor der Staumauer

11

Tag 3: Martin am Schlegeisspeichersee

12

Tag 3: das Hochtal Richtung Pfitscherjoch

13

Tag 3: das Hochtal Richtung Pfitscherjoch

14

Tag 3: Pfitscherjochhaus

15

Tag 3: die berühmet Tragepassage

16

Tag 4: bei Sterzing

17

Tag 4: Burg Freienfels

18

Tag 4: Das

19

Tag 5: Aferer Geißler

20

Tag 5: Andi oberhalb von S. Magdalena

21

Tag 5: Die Geißlerspitzen über St Magdalena

22

Tag 5: Andi blickt auf S. Magdalena

23

Tag 5/6: Die Schlüterhütte

24

Tag 6: Edelweiss

25

Tag 6: Peitlerkofel im Nebel

26

Tag 6: Auffahrt hinter Pederühütte

27

Tag 6: Blick auf Limojoch von Faneshütte

28

Tag 6: Andi vor der Faneshütte

29

Tag 6: Kreuzkofelgruppe von Faneshütte

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Tag 7: Faneshütte von Limojoch

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Tag 7: Fanestal

32